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Samstag, 27. April 2013

Rezension, Dorothea Assig und Dorothea Echter: Ambition - Wie große Karrieren gelingen


Rezension


 
Dorothea Assig und Dorothea Echter

Ambition
Wie große Karrieren gelingen

Erstausgabe März 2012

Campus Verlag ISBN 978-3-359-39585-2
 
 
 
Zwei erfahrene Beraterinnen haben ihr professionelles Wissen in diesem Buch zusammengeführt. Sie entwickelten ein Modell, das die Komplexität ihres Wirkens in eine scheinbar einfache Form bringt. Es ist ein dichtes Buch und zugleich sehr anschaulich und nachvollziehbar geschrieben. Von Frauen, die ihre eigene Ambition leben wollen, wird es als unterstützend erlebt, von Profis im selben Kompetenzfeld, wie mir, mit Interesse und Respekt zur Kenntnis genommen.
 

Ambition ist ein energetisches Zentrum, eine immense innere Kraft, eine Quelle des Antriebs. Es ist das, was einen Menschen motiviert, begeistert, was sich schon früh zeigen kann, als ein Bedürfnis nach Selbstausdruck, etwas das zu tun keine Zeitgrenzen kennt. Es ist der innere Motor. Es ist das, was ein Mensch geben will, wofür sie oder er „brennt“. Die Karriere ist das Ergebnis. Allein dies erklären die Autorinnen so  nachvollziehbar und das macht das Buch bereits lesenswert. Denn anders als viele Bücher zu Coaching und Selbstmanagement, geht es den Autorinnen nicht um kleine äußere Rezepte. Sie räumen mit vielen Irrtümern zu Karrierewegen auf.  

Durch die Frage nach der Ambition, erkennen sie den inneren Antrieb in der Person. Sie Fragen nach der Quelle, aus der die Energie sich immer wieder speist, die eine Voraussetzung für ein Gelingen einer großen Karriere ist. Die Quelle, die beharrliches Üben ermöglicht, weil es Sinn macht, gefühlten, erlebten Sinn, der viel Energie freisetzt, den kein Anspruch an sich und kein Druck von außen in der Konstanz erzeugen kann. 

Ihre Arbeit als Beraterinnen beginnt damit, Menschen in Kontakt mit dieser Quelle zu bringen, oder sie darin zu bestärken ihr zu vertrauen. Denn so eine starke innere, antreibende Kraft macht auch Angst, schürt Zweifel: „Bilde ich mir das alles ein?“ Trotz des Zweifels, was die eigene Begabung anbetrifft weiter zu üben, ist ein erster Hinderungsschritt, der überwunden werden will. Zentrale Widerstände und Hemmnisse für Erfolg, verorten die Autorinnen in der Person. Denn Menschen haben nicht nur die Sehnsucht erfolgreich zu sein, sondern eine ebensolche Angst davor. Daher ist ein weiterer Schritt, sich selbst für den Erfolg zu öffnen. Der eigenen Gabe Aufmerksamkeit zu schenken, sie dadurch erfassen, benennen, sich darin üben zu können, das sind weitere Schritte. Doch es gibt immer wieder Krisen, die zu Selbstzweifeln führen. Deren Sinn als Lernfeld zu erkennen und zu nutzten, das bedarf einer kompetenten Begleitung.  

Sich eine angemessene Bühne für das eigenen Können zu suchen, sich in ein Umfeld zu begeben, das die Kompetenz sieht, achtet und zugleich herausfordert, sind weitere Stationen. Diese müssen Maßgeschneidert für die Ambition gesucht und gestaltet werden. Denn so individuell, wie die eigene, einzigartige Begabung ist, so sehr ist der Weg der einer Pionierin, eines Pioniers. Der Weg der Karriere ist nicht vorgezeichnet, er muss gesucht werden. 

Die Autorinnen differenzieren weiter die Dimensionen: Karriere aufbauen, stabileren und die Vollendung. Auch in diesen Dimensionen wirken die vier Ebenen ineinander: die Stabilisierung der Psyche, Positive Resonanz erzeugen, die eigene Bühne schaffen und das Können (weiter) zu entwickeln. Es ist ein komplexer Prozess, der immer wieder eine neue Ausrichtung bedarf, jedoch nicht linear verläuft. Es ist ein Wachstums- und Entwicklungsprozess, der sich entfaltenden persönlichen Begabung und Reifung einer Person, in einer sich wandelnden Außenwelt. 

Natürlich sehen wir im Alltag immer wieder erfolgreiche Menschen, die öffentlich sichtbar wurden, auch ohne innere Vorbereitung. Doch es gibt viele, deren Karriere stockt, die sich nicht heraus wagen und solche, die sich damit überfordern. Gerade dort wo wir Karriere sehen können, vor allem im Showbusiness oder in der Politik, gibt es immer wieder Menschen, die daran scheitern, bzw. deren Scheitern wir sehen. Gründe sind, dass sie den Erfolg nicht halten können, weil sie zu einsam darin sind, weil die Spannung zwischen der „normalen Alltagsperson“ und der „erfolgreichen öffentlichen Person“ ein unüberbrückbares Spannungsfeld bilden. Die Folgen sehen wir an einem „abheben“, an ihren Suchtproblemen oder gar Suiziden.
 
Erfolg braucht eine solide innere psychische Basis. Es ist ein Fundament, das Schritt für Schritt entwickelt wird, um die einzigartige Begabung in eine erfolgreiche Karriere zu transformieren, die die Person halten und genießen kann. 

Die Autorinnen beleuchten auf 300 Seiten, die vielfältigen Aspekte ihres Modells gründlich. Deutlich wird: es geht bei der erfolgreichen Karriere sowohl um Handeln, als auch um Reifen – denn je tiefer die Wurzeln in die eigene Persönlichkeit hineinreichen, umso intensiver braucht es Zeit bis die einzelnen Themen erlebt, erfahren, entwickelt sind. Dieses Buch ist ein sehr Besonderes, weil es tiefgründig und zugleich handlungsleitend ist. Vor allem aber, weil es Komplexität nicht vereinfacht und trivialisiert, sondern Mut macht, sich dem Leben zu stellen und die eigene Ambition schrittweise zur Entfaltung zu bringen.

 

Samstag, 12. Mai 2012

Das innere Feuer zum Lodern bringen - brennen ohne auszubrennen - Erfolg durch Selbstmanagement


Für eine Sache zu brennen ist sicher das, was wir uns immer wieder sehr wünschen, weil es bedeutet, wir sind voller Leidenschaft, sei es für eine Sache, sei es für eine Person und es ist ein wunderbares Zeichen von Lebendigkeit. Frauen waren auch immer Hüterinnen des Feuers: Hier könnte dies, als eine Form des Selbstmanagements, neue und sich selbst nährende Bedeutung erhalten.

Das innere Feuer ist ein Synonym für unsere Lebensenergie, Lebendigkeit und Lebenskraft. Wenn ich es in einen Kontext der chinesischen Philosophie stelle, beschreibt es die Yang Seite des Qi. In unserem westlichen Kontext, beinhaltet das Feuer, die Kraft zu haben, das zu tun, was ich tun möchte. Das innere Feuer kann ein geistiges Feuer sein - inspirieren, ein Gedanke, ein Gedankenblitz. Es kann auch die Vitalität ausdrücken, die körperliche Lebendigkeit und ebenso den inneren Antrieb, die Motivation, all das, was ich an Ideen, Visionen, Ziele, die ich habe, in Handlung und in Aktionen umsetzen lässt, die Erfolg ermöglicht. Es ermöglicht tätig und aktiv zu sein in einem Zustand des Flow, der kreativsten und lebendigsten Form von Aktivität.

Wenn wir uns ein Feuer vorstellen, das wir zum Lodern bringen möchten, so haben wir einmal das Brennmaterial selber im Augen, es ist aber auch sehr sinnvoll zu schauen: wozu wollen wir das Feuer überhaupt zum Lodern bringen? In der Regel fangen wir mit dem an, wozu wir überhaupt ein Feuer brauchen. Soll das Feuer uns wärmen? Soll das Feuer uns einfach Freude bereiten? Je nachdem wozu wir ein Feuer benötigen, suchen wir uns einen angemessenen Platz und schaffen Rahmenbedingungen für das Feuer. Wir alle wissen, ein unkontrolliertes Feuer ist gefährlich. Wir wissen aber auch, ohne Feuer kein Leben. Erst als zweiten Schritt suchen wir uns dann das adäquate Material für das Feuer. Das kann Holz sein, Kohle, alle fossilen Brennstoffe. Ebenso klar ist: ohne irgendeinen Brennstoff gibt es kein Feuer.

Was bedeutet dieses Bild des Feuers für unseren inneren Prozess des Feuers? Um für etwas zu brennen, brauchen wir ein inneres Bild und damit ein Ziel, das uns begeistert. Das können sowohl Vorstellungen sein, die wir haben, oder Bilder, das kann ebenso ein sachliches Ziel sein. Das Brennen kann durch eine innere Inspiration erfolgen oder von Impulsen aus der Außenwelt, die uns aktivieren. Wenn das Ziel gefunden ist, erscheint es uns dann sehr selbstverständlich, dass das Brennmaterial, die innere Energie für dessen Realisierung, in uns vorhanden ist. Wir setzen den zweiten Vorgang, dass wir einfach die Kraft haben, das zu tun, wonach wir brennen, voraus.

Erst in jüngster Zeit wird in der Öffentlichkeit immer deutlicher der Begriff „Ausgebrannt – sein“ bewusst. Es ist ein sehr präzises Bild dafür, das irgendwann einfach die inneren Rohstoffe für das innere Feuer erloschen sind. Vielfach wird uns erst dann bewusst, dass wir auch in uns selbst dafür sorgen müssen, dass genügend „fossile Brennstoffe“ vorhanden sind. Viele Menschen verausgaben sich bis zu dem, was dann Burnout genannt wird, ein ausgebrannt sein des Körpers und der Seele. Gerade das Burnout-Syndrom ist eine psychosomatische Erkrankung oder ein Zustand in dem sowohl die Energie für den Körper, als auch für unsere Wünsche und Visionen zusammenbricht. Die Nerven liegen bloß und das Empfinden ist sowohl geistig als auch physisch am Ende unserer Kräfte zu sein.

Gerade weil das Burnout der Gegenpol zu dem wunderbaren Gefühl des "für etwas brennen“ ist, können wir aus dem Wissen um die Heilung von Burnout, auch Rückschlüsse darauf ziehen, wie wir das innere Feuer auf gesunde Weise am Leben erhalten können. Denn leider ist das Wissen der Hüterin des Feuers, nicht mehr für jede(n) intuitiv verfügbar.

In unserer Kultur haben wir den Wunsch nach einfachen Lösungen. Wenn es gelingt, anstatt eine eindimensionale Lösung zu suchen, in Polaritäten zu denken, so fällt es auch leichter, sich bewusst zu machen, dass Feuer auch etwas mit Wandlung zu tun hat: Feuer brennt und während es brennt zehrt zugleich auch auf. Das Aufgezehrte muss ersetzt werden, sonst erlischt das Feuer. Auf Verhalten umgesetzt bedeutet das, Aktivität und Regeneration gehören zusammen. Da das innere Feuer sowohl eine physisch körperliche Aktivität ist, als auch eine seelisch mentale, braucht es auch für die Regeneration sowohl körperliche als auch seelisch mentale Formen. Es braucht Wissen um Ressourcen und Grenzen.

Meine Erfahrung ist, um gut für sich sorgen zu können, braucht es sowohl den Weg der Selbstwahrnehmung und Selbsterkenntnis, als auch ein genaues und individuelles Wissen, was die eigenen körperlichen Prozesse und Bedürfnisse anbelangt.

Welche Möglichkeiten stehen nun zur Verfügung um das innere Feuer zu nähren? Ich habe in diesem Blog zwei Bücher vorgestellt, die zwei unterschiedliche Zugänge beleuchten: der eine ist eine psychologische Herangehensweise, die das Selbstmanagement beinhaltet, der andere. beschreibt die körperlichen und physiologischen Prozesse. Beide gehören für mich zusammen, wie zwei Seiten einer Medaille.

Psychologisch gesehen gehören zu dem Nähren des Feuers alle Themen rund um das Thema Selbstwahrnehmung, Selbstreflektion, Ressourcen, Umgang mit Grenzen, zu wissen,  was man möchte,  eigene Ziele setzen. Zur Vorbeugung von Burnout geht es um die Stärkung der individuellen Resilienz. Es sind Themen die in dem Buch „Fels in der Brandung statt Hamster im Rad“ auf anschauliche Weise und konkret beschrieben sind.

Die komplementäre Herangehensweise, die physiologische Seite des Körpers in den Fokus nehmend, bedeutet in dem Bild des Feuers immer wieder zu schauen ob es einfach auch genug Material gibt, damit das Feuer lodern kann. Damit wir in unserem Körper lodern können, brauchen wir natürlich Nährstoffe, und wie diese nun ganz genau beschaffen sein müssen, das haben die Autorinnen in dem Buch "der Burnout Irrtum wunderbar zusammengestellt.

Freitag, 11. Mai 2012

Rezension: Uschi Eichinger, Kyra Hoffmann-Nachum: Der Burnout-Irrtum - Ausgebrannt durch Vitalstoffmangel - Burnout fängt in der Körperzelle an!






Rezension:
Uschi Eichinger, Kyra Hoffmann-Nachum:

Der Burnout-Irrtum
Ausgebrannt durch Vitalstoffmangel-Burnout fängt in der Körperzelle an! Das Präventionsprogramm mit Praxis Tipps und Fallbeispielen

Verlag Systemed, Lünen 2012
ISBN:978-3-942772- 06-8


Schon im Titel verraten die Autorinnen, worum es Ihnen in diesem Buch geht: ausgebrannt sein hat seine Ursache im Vitalstoffmangel, oder anders ausgedrückt: der Tank ist leer. Wir verlangen von unserem Körper eine tägliche Höchstleistung mit einer Selbstverständlichkeit, die uns erst bewusst wird, wenn wir im wahrsten Sinne des Wortes, wie ein Auto ohne Benzin, am Straßenrand liegen bleiben.

Die Fähigkeit zur Konzentration, zur Aufmerksamkeit, zu denken und sich zu erinnern, all diese Fähigkeiten finden, vermittelt über unser Nervensystem, statt. Wenn die einzelnen Zellen unserer Nerven nicht hinreichend ernährt werden, stellt sich ein Burnout ein. Wenn Sie erfahren möchten, was sich hinter dem Begriff Burnout in einem Körper wirklich abspielt, welche physiologischen Reaktionen, welche Mangelzustände im Körper herrschen - in diesem Buch bekommen sie es detailliert und spannend erklärt.

Beide Autorinnen sind als Heilpraktikerinnen tätig. Da sie jedoch vor dieser Ausbildung Wirtschaftswissenschaften studierten und in diesen Berufen auch tätig waren, kennen sie die Welt des Erfolges ebenso, wie die immanenten Zwänge zur Überforderung, aus der Innenansicht. Dieses Wissen zeigt sich in diesem überaus anschaulich geschriebenen Buch auf vielfältige Weise. Mit hoher fachlicher Kompetenz und zugleich wunderbar bebildert, informativ ohne belehrend zu sein, führen sie uns in die Welt unserer Energiekraftwerke, die Welt unserer Zellen ein. Denn die Energie, die wir zum täglichen aktiv sein benötigen, wird nicht einfach nur durch "Luft und Liebe“ gewonnen, sondern sie wird vermittelt durch unsere Nahrung, die wir zu uns nehmen, unablässig in unseren Zellen hergestellt.

Auf diesem Hintergrund sehen die Autorinnen das Thema Burnout nicht nur als ein psychologisches Phänomen, sondern sehr wohl als eines, das sich mit dem Satz: „ Du bist, was du isst“ umschreiben lässt. Wir erfahren: Gute Laune kann man essen und die Kehrseite davon ist, dass Stress unseren Körper im wahrsten Sinne des Wortes auffrisst.

Bevor das Buch ein Fülle von sehr guten, einfach umzusetzenden praktischen Ernährungs-Tipps und Handlungsanweisungen zur Verfügung stellt, gelingt es den Autorinnen, das komplexe Wissen über die eigenen physiologischen Prozesse so spannend zu schildern, dass es sich wie ein Krimi liest. Man will mehr dazu erfahren und genau wissen, wie es denn nun die einzelne Zelle schafft, immer wieder diese Höchstleistungen zu bringen und wie die vielen Millionen Zellen in unserem Körper dabei kooperieren.

Insofern ist das Buch eines über Selbstmanagement, weil es sehr genaues Wissen vermittelt, wie jede einzelne Person dazu beitragen kann, gut für sich zu sorgen, um damit auf sehr gesunde Weise leistungsfähig zu bleiben. Die Selbstverantwortung für die eigene Gesundheit ist heute ein Erfolgsfaktor geworden, um mit Resilienz sowohl den vielen Herausforderungen der Umweltbelastung, als auch den selbst gesuchten Belastungen begegnen zu können.

Das Buch untermauert durch physiologisches Wissen, was ich aus psychologischer Sicht als Flow kenne. Flow ist die Fähigkeit in einem sehr energievollen Zustand, der eine große Herausforderung und doch zugleich keine Überforderung darstellt, aktiv zu sein. Das Gefühl des Flows ist, alles geht wie von selbst. Es bereitet Freude zu einer Höchstleistung zu kommen und sich produktiv zu erfahren. Wenn die Freude verloren geht, dann ist dies ein Zeichen, dass die Batterien im Körper leer werden. So schwer es fällt, es wäre sinnvoll diese Grenze achten zu lernen. Wenn wir bewusst sind, dass wir über die aktuellen Müdigkeitsgrenzen hinausgehen und in der Folge uns umso mehr regenerieren, dann sind diese Grenzen nur situative. Wenn wir uns jedoch gar nicht mehr erlauben die eigenen Körpergrenzen wahrzunehmen, zehren wir die eigenen Ressourcen immer mehr aus und die Fähigkeit des Körpers zur Regeneration wird immer geringer. Denn wenn wir ihm nicht die nötige Ruhe und die Mittel in Form von adäquater Nahrung zur Verfügung stellen, ist irgendwann die Folge: ausgebrannt!

Es handelt sich um ein sehr gelungenes Buch, das der Komplexität der psycho-physiologischen Prozesse sehr gerecht wird. In leicht verständlicher Sprache werden sehr differenziert Zusammenhänge erklärt und in Interviews mit unterschiedlichen Experten zu den einzelnen Themenspektren, wie Ernährung, Umgang mit den Bedürfnissen des Darmes, dem Bedürfnis nach Licht, der Notwendigkeit gesunder Bewegung und vieles mehr vertieft.

Übrigens, wenn Ihre Zellen über alle Vitalstoffe verfügen die Sie brauchen, dann zeigt sich das nicht nur in Vitalität, sondern auch in einem strahlenden Aussehen. Dafür könnte sich die Lektüre doch lohnen. Viel Spaß beim Lesen!

Mittwoch, 9. Mai 2012

Rezension: Silvia Kéré Wellensiek - Fels in der Brandung statt Hamster im Rad. Die praktische Schritte zu persönlicher Resilienz



Rezension
Silvia Kéré Wellensiek: Fels in der Brandung statt Hamster im Rad
Die praktische Schritte zu persönlicher Resilienz

Verlag Belz, Weinheim und Basel 2012
ISBN:978-3-407-36511-8


Belastbar zu sein und Zugang zu den eigenen inneren Stärken zu haben, sowie über diese situationsadäquat zu verfügen, ist heute für beruflichen und persönlichen Erfolg entscheidend. Die Fähigkeit wird in der Psychologie als Resilienz beschrieben. Das innere Gleichgewicht zu finden und immer wieder zu halten, ist gezielte Burnout-Prävention. Das Anliegen der Autorin ist es, Ihnen zehn Schritte zur persönlichen Resilienz zu vermitteln. Sie beschreibt aus dem Blickwinkel einer Psychologin verschiedene mentale, emotionale und verhaltensorientierte Werkzeuge, um zu einem inneren Gleichgewicht zu gelangen.

Ein erster zentraler Schritt ist es, inne zu halten und sich der eigenen Befindlichkeit und Bedürfnisse bewusst zu werden. Ein weiterer ist es, sich sozial verorten zu können, zu wissen wo Sie stehen und von da aus zu wissen, wo Sie hin wollen, welche Ziele Sie verfolgen. Als dritten Schritt beschreibt die Autorin die Aufgabe, Freundschaft zum eigenen Körper zu entwickeln. Hier kann das Buch "Der Burnout Irrtum" (siehe eigenen Blogbeitrag), eine weitere Vertiefung bilden.

Weitere Kapitel beinhalten die Entlastungen von vergangenen und überlebten Dingen und Einstellungen. Sehr anschaulich beschrieben ist, wie Sie den inneren Antreiber ausbalancieren können und wie Sie lernen ihre Grenzen zu erkennen, zu setzen, zu wahren, und zugleich offen zu bleiben für die unbekannten Überraschungen des Lebens. Konfliktkompetenz und die Ausrichtung auf die konsequente Nutzung von Handlungsspielräumen wird ebenso beschrieben, wie Halt in Beziehungen, Netzwerken und nicht zuletzt, wie Sie Halt in sich selbst zu finden.

Das Buch umkreist die komplexen Themen des Selbstmanagements auf anschauliche und vor allem anwendungsorientierte Weise. Übungen, Tipps und Tricks werden praxisnah und gut verständlich geschildert. Das Buch ist theoretisch sehr fundiert und liest sich zugleich leicht. Die Trainerin und Psychologin lässt Sie an ihren vielfältigen Erfahrungen, durch Praxisbeispiele teilnehmen.

Sonntag, 15. Januar 2012

Rezension Gudula Linck: Leib oder Körper



Rezension
Gudula Linck: Leib oder Körper
Mensch, Welt und Leben in der chinesischen
Philosophie

Verlag Karl Alber, Freiburg 2011
ISBN:978-3-495-48451-7








Die chinesische Philosophie ist über 2500 Jahrealt. Zugleich ist sie in dem alltäglichen Leben in Deutschland zunehmend gegenwärtig. Nicht nur in Form der chinesischen Küche, sondern vor allem in der chinesischen Medizin, ist sie Teil unseres Lebens geworden. Die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM), bestehend aus fünf Säulen: Akupunktur, Phytotherapie (Heilkräuter), Diätetik (Ernährungslehre), Qigong (Bewegungsübungen) und Massage, hat – wenn auch vielfach sehr verkürzt - ihren Platz in der Heilbehandlung gefunden. Doch was für ein Menschenbild zeichnet die chinesische Philosophie aus und steht hinter diesen Techniken?

In der westlichen Kultur ist uns die Trennung von Körper und Seele bekannt. In der Psychosomatik wird eine Verbindung zwischen dieser Dualität gesucht; mit dem Bindestrich in body-mind wird eine Klammer hergestellt, mit dem Ziel, den Menschen wieder mit sich in Verbindung zu bringen. Themen des Selbstmanagements erscheinen daher nicht nur im Begriff selbst oft technisch. Hier erweitert dieses Buch die Wahrnehmungsperspektive.

In der chinesischen Sicht des Menschen gibt es diese Dualität nicht. Es gibt Differenzierungen, aber keine Trennungen. Nicht der Gegenstand: Körper, steht im Mittelpunkt der Erkenntnis, sondern der gespürte Leib, das Empfinden, das Erfahren des eigenen Erlebens. Es ist eine ganzheitliche Wahrnehmung, nicht nur des individuellen Menschen, sondern auch des Menschen in Verbindung mit seiner natürlichen und sozialen Umwelt. Diese Differenzierungen bilden ein sehr komplexes System von gegenseitigen sich bedingenden Wirkungszusammenhängen. Diese sind von der Autorin auf anschauliche Weise beschrieben. Die TCM, als eine Ganzheits- oder besser Resonanzmedizin ist nur ein Aspekt der komplexen Mensch- und Welterkenntnis der chinesischen Philosophie. Diese setzt das philosophische Wissen erfolgreich in Behandlungen um. Das eigentliche Ziel ist dabei: die Balance, die Herstellung von Harmonie.

Ein Anliegen der Autorin, em. Professorin für Sinologie, ist es diese Sicht auf den Menschen und die Welt mit den Lesern zu teilen. Das Eintauschen in die Muster „der Selbst- und Weltwahrnehmung“ in der chinesischen Kultur ermöglicht Frau Professor Linck den Interessierten durch eine sehr anschauliche und gut zu lesende Schreibweise. Es ist ein Heranführen an einen für das europäisch geprägte Denken neuen Weg der Erkenntnis.

Sie erklärt schrittweise Begriffe, Gedankenstränge, und sie bleibt bei der Komplexität des Gegenstandes nicht abstrakt. Auch das zeichnet die chinesische Philosophie aus: Sie ist auf eine Weise individuell und übergreifend (gesellschaftlich und kosmologisch) zugleich. Durch die immanente Verbindung der inneren Harmonie des einzelnen mit der inneren Harmonie des Kosmos ist die Art und Weise der Verbundenheit immer wieder Gegenstand der Aufmerksamkeit.

Das Buch spannt einen weiten Bogen bei diesem sehr komplexen Thema. Die über Jahrzehnte erworbenen theoretischen Kenntnisse und das Erfahrungswissen der Autorin schimmern immer wieder durch. Es ist sicher für die sinologische Welt ein Gewinn, dass Frau Professor Linck die bereits 2001 erschiene erste Fassung nochmals aktualisiert und überarbeitet hat. Das ausführliche Literaturverzeichnis, das Register, hunderte Anmerkungen zeigen das hohe Niveau des 350 Seiten umfassenden Werkes.

Drei Teile umfasst das Buch:
- Leib und Körper Hier werden u.a. die Konzepte des Qi, von Yin und Yang, deren Wandlungen und dem Herz als zentralem Herrscher, als "zentralem Regungsherd" beschrieben.
- Leib und Gefühl Der atmosphärische Gehalt des Erlebens und damit die enge Verbindung des einzelnen mit der Welt ist eine neue Sicht, die zu entdecken lohnt.
- Mensch und Welt In der chinesischen Philosophie wird der Mensch als Mikro-Kosmos in einer umfassenden Weise wahrgenommen, die hier dargelegt wird.

Mich hat dieses Buch sehr begeistert, und so wünsche ich, dass es nicht nur von einer kleinen Expertengruppe gelesen wird. Denn geschrieben ist es ebenso für Menschen, die auf der Suche nach innerer Balance und Harmonie, auf der Suche nach einer leibhafter Selbststrukturierung, aus der Erfahrung dieser alten Kultur und ihrer zeitlosen Weisheit schöpfen möchten.

Dienstag, 3. Januar 2012

Die kreative Energie des Winters


Wenn in einem Blog seit eineinhalb Jahren kein Beitrag mehr erscheint, ist das dann noch ein Blog?
Auf diesem Blog gibt es die fünf Goldfische, als Symbol für die fünf Wandlungsphasen. Einem Konzept der chinesischen Philosophie entnommen, stehen die Wandlungsphasen für die fünf Abläufe des Lebens, wie sie sich z.B. in den Jahreszeiten ausdrücken. Nach einer Zeit der Ernte, des Herbst, des Ausdrucks, der Beiträge die sich in Sichtbarkeit niedergeschlagen haben, folgte bei mir der Winter, als einer Zeit der Innenwendung. In dieser Zeit, in der sich die Kräfte im Inneren sammeln, werden die eigentlichen Strukturen sichtbar, so wie die kahlen Bäume die Form ihres inneren Gerüstes zeigen. Es ist eine Zeit der inneren Verdichtung, Sammlung und der Überprüfung, ob die alte Struktur noch taugt. Es werden neue Wurzelungen und Verknüpfungen in der Natur geschaffen. So habe ich in dieser Zeit auch eine Erweiterung meiner Sicht auf das Thema: Frauen und Karriere erfahren.

Diese Erweiterung betrifft die Wurzeln, deren Entfaltung, deren Pflege und aus denen und durch die dann, in der folgenden Phase des Frühlings, die Energie fließen kann. Eine Energie, die auch eine Neuausrichtung beinhaltet, denn sie würdigt diesen ganzheitlichen Prozess.

Was sind die Wurzeln im Themenfeld Frauen und Karriere? Sie sind das, was uns Energie, Lebenskraft, Verbundenheit gibt, uns Ressourcen sind. Nach einer intensiven Phase der beruflichen Extraversion, der engagierten Tätigkeit, der kreativen Arbeit mit anderen Menschen ist die Frage: wie findet eine Regeneration statt, wie ein auftanken? Je anspruchsvoller die Tätigkeit, desto mehr ist die hohe Qualität der Regeneration eine Notwendigkeit. Die Wurzeln haben mit den unterschiedlichen Ebenen des Auftankens zu tun. Sie sind vielseitig, vielschichtig und je differenzierter die Wurzeln, umso mehr steht eine aktive Zuwendung zum Leben zur Verfügung. Worin bestehen sie genau?
- Energie tanken über alle Wege, die dem leiblichen Wohl zuträglich sind.
- Lebenskraft sammeln durch Muse, durch Sein, Kontemplation, Kultur, ebenso wie durch
Aktivität in der Natur, Atmen, Körperübungen, Meditation, sich erfahren im Austausch.
- Verbundenheit mit Menschen die uns in unserem Sein begrüßen, mit denen sich unser Wert nicht am Ertrag misst, den wir für sie erzielen.
- Selbstbezug und in Verbindung mit dem eigenen Wesen und Sinn des eigenen Lebens stehen.
- Entfaltung des eigenen Potentials, in neue tiefere Schichten der eigenen persönlichen Anlagen vordringt.

Am Anfang des Lebens steht ein unerschöpfliches Reservoir an Lebenskraft zur Verfügung. Es scheint, als ob es nur darum ginge, diese in eine Richtung zu lenken. So ist der Beginn der Karriere vor allem durch das Thema der Zielfindung bestimmt. Was ist meine Begabung? Wo will ich hin?

Die Entwicklung und Entfaltung der unterschiedlichen Fertigkeiten sich in der Welt des Erfolges zu bewegen und auszudifferenzieren, lässt die Aufmerksamkeit für die Regeneration und damit für die Wurzeln in den Hintergrund treten. Wie von selbst scheint am nächsten Morgen die Kraft zurück gekehrt und der Aufstieg geht weiter.

Vergessen sind die Menschen, die Bindungen, die nährenden Strukturen, die das erwachsen werden begleitet haben. Alles ist selbstverständlich und scheint in dem Selbstbild der eigenen Autonomie auch für immer so weiter zu bestehen. Wir leben von den Vorräten die wir angesammelt haben. Wenn die Wertschätzung für die regenerativen Fähigkeiten mit verinnerlich wurde, so ist auch die Fähigkeit gegeben, immer wieder inne zu halte, aufzutanken. Je identifizierter eine Frau mit dem Erfolg ist, desto mehr besteht die Gefahr, Raubbau zu treiben, auszubrennen.

Nicht zufällig war das letzte rezensierte Buch auf dem Blog, das von Frau Meckel über „Erfahrungen mit Burnout“. Meine Fragen, die mich die letzten eineinhalb Jahre begleitet haben, waren nun diese:
- Wie hängt dieser Raubbau mit den eigenen Ressourcen,mit dem in unserer Kultur so selbstverständlichen Weltbild des Erfolges zusammen. Gibt es dazu Alternativen?
- Wie können Frauen führen, und sich zugleich in der Fülle ihrer weiblichen Potenz verankern?
- Ist das „Missing link“, die Würdigung der weiblichen Reproduktionsarbeit, oder der winterlichen Wurzelkraft?

Schon sehr lange beschäftigte mich das Thema der Abwertung dessen was „Reproduktionsarbeit“ ist. Meine Suche ging dahin zu schauen, wie sich die unsichtbare Bindungsarbeit, die alltägliche Pflege der Personen und der Dinge, die erst sichtbar wird, wenn sie nicht geschieht, wahrnehmbar werden kann. Denn nur so kann sie in unseren Blick geraten und die ihr gebührende Würdigung erfahren.

Mir begegnete eine Kultur, eine Philosophie, die die zyklische Lebensweise erfasste und daher anders dachte. Würde sie Erfolg und Führung anders beschreiben? Es ist eine Kultur, die sehr wohl erfolgreich ist. Würde sie auch die regenerativen Aspekte sehen? Würde sie die reproduktiven Tätigkeiten würdigen? Ich tauchte in die chinesische antike und reale Welt ein.

Konkret habe ich mich mit der chinesischen Philosophie befasst, bin mehrfach in China gereist, im neuen und im „alten“ China real und geistig unterwegs gewesen und dieses Erfahrungswissen und die Weisheit die mir begegnet ist, zeigt sich in den folgenden Beiträgen und Rezensionen, wie in meinen Gedanken dazu.

Weibliche Kunst im Sinne der nährenden, regenerativen, zugleich aber auch kreativen Potenz der natürlichen Entfaltung, der Yin-Qualität habe ich versucht durch die Auseinandersetzung mit der dortigen Kultur besser zu verstehen. Ich habe einerseits entdecken können, dass das Erfassen einer Welt, als in einem ständigen Wandel befindliche, das Lebensgefühl der antiken chinesischen Welt prägte. Diese Sicht lebt weiter, z. B. in der TCM. Zugleich habe ich erfahren, dass im modernen China das „westliche“ Erfolgsstreben ebenso lebendig ist, wie in unserem Kulturkreis. Daher sind auch das Wissen und die Wertschätzung des Weiblichen nicht entfalteter.

Ich habe sehr viel gelernt aus der Auseinandersetzung mit der chinesischen Welt. Zugleich habe ich mich bestärkt gefühlt, dass die Würdigung der Wurzelkraft die Quelle für den Erfolg weiblicher Führungskompetenz ist. Wie wenig dieser Prozess der Reproduktionsarbeit eine Selbstverständlichkeit ist, sondern wie sehr sich auch hier eine Fülle verantwortungsvoller Tätigkeiten zeigt, das ist für mich die Erweiterung im Frauen und Karriere Bild.

Meine These: Die Würdigung dieser regenerativen Kompetenzen, diese Nutzung dessen, was ich Wurzelkraft nenne, als eine in vielfacher Weise „weibliche Kunst“ schafft den Nährboden für Frauen in Führung.

Montag, 24. Mai 2010

Rezension: Miriam Meckel, Brief an mein Leben - Erfahrungen mit einem Burnout





Rezension


Miriam Meckel

Brief an mein Leben

Erfahrungen mit einem Burnout







Rowohlt Hardcover, 224 S.
12.03.2010 18,95 €
ISBN 978-3-498-04516-6

Miriam Meckel ist erfolgreich. Sie ist Professorin für Kommunikationswissenschaften, eine Karrierefrau, eine öffentliche Person. Als sie das Buch schreibt ist, sie 42 Jahre alt. Sie schreibt es in einer Klinik, in der sie von einem Burnout gesundet.

Wäre sie nicht so bekannt, das Buch hätte wohl nicht diese Resonanz gefunden. Denn das Thema selbst ist noch immer unter Erfolgreichen etwas, das eher verheimlicht wird. Allein schon deswegen sei ihr für den Mut gedankt, ihre persönlichen Erfahrungen mit uns Leserinnen zu teilen. Sie gibt Einblicke, wie sie in den völligen Erschöpfungszustand hineingekommen ist und zeigt einen Teil des Weges, den sie zurück zu sich selbst begeht.

Völlige körperliche und psychische Erschöpfung, ausgebrannt sein, das umschreibt einen Erlebenszustand, in dem kein Funktionieren mehr möglich ist. Es ist der energetische Bankrott. Der Körper und die Seele können nicht mehr. Sie selbst hatte das als Versagen erlebt. Ein erster Schritt zu Heilung ist daher der, so schmerzlich und schwer es für sie ist, zu erkennen: auch sie hat Grenzen. Gerade weil ihr all das Viele, was sie beruflich und privat erleben wollte so viel Freude bereitete, war es ihr so schwer, ihre eigenen Grenzen zu achten. Sie hat sie gemerkt, aber immer wieder mit viel Willenskraft weiter gemacht. Burnout hat man sich immer hart erarbeitet! Selbstdisziplin und die Freude am Erfolg sind zentrale Zutaten; und nicht zuletzt die gesellschaftliche Anerkennung genau dieser Art und Weise mit sich umzugehen "Geht nicht, gibst´s nicht!"

Frau Meckel kann sehr schön schreiben, anregend, anschaulich, wissenschaftlich unterfüttert, in einigen Passagen literarisch. Es ist kein unreflektierter Selbsterfahrungsbericht, sondern eine tiefgründige Auseinandersetzung mit sich selbst, exemplarisch, die zu lesen lohnend ist.

Sie setzt sich mit Themen auseinander, die sie an sich schätzte und die zur Gefahr geworden waren: Multitasking - Mehreres schnell gleichzeitig machen und denken, viel Verschiedenes in verdichteter Zeit umsetzten. Sich ständig bewegen, geistig und körperlich (reisen). Sie wusste, dass das Gehirn nicht alles gleichzeitig kann, aber welche Folgen der immer schnellere Wechsel hatte, wie sich mentale Erschöpfung auswirkt, das zu erfahren, war bitter.

Frau Meckel hat eine steile Karriere hingelegt, die jüngste Professorin, sehr sichtbar, vorbildlich. Sie reflektiert das in dem Kapitel "Pflegeleicht". Sie hat ihren eigenen Erwartungen entsprochen und ihre Ziele hat sie sich hoch gesetzt. Sie hat es aber auch anderen immer wieder leicht gemacht mit ihr umzugehen. Den Preis reflektierte sie zu spät.

Die Zeit für sich selbst ist dabei zu kurz gekommen. Für die Seiten, die nicht mit Arbeit und Öffentlichkeit zu tun hatten. Die Seiten, die mit Gefühlen und mit Bindung umschrieben sind. Gefühle und Bindung zu anderen und zu sich selbst. Sie nimmt sich Zeit, die Trauer um den Verlust geliebter Menschen nochmal für sich in der Zeit zu durchleben, die sie dafür braucht und auch diesen geschützten Raum, fernab von den Anforderungen der Welt an sie und ihr gerne-in-der-Welt agieren, um sich den inneren Anteilen stellen.

Besonders berührt hat mich, wie sie eine Übung schildert, während der sie die Beziehung zu sich neu sucht und findet. In der ständigen Außenorientierung und der realen Schnelligkeit ihres Lebens, und schließlich noch verstärkt durch den Erschöpfungszustand, hatte sie ihren inneren Halt verloren. Die Bindung zu sich und die zu nahen, persönlichen Menschen entdeckte sie in einer gefühlten Weise. "Ich brauche Wurzeln (74)".

Es ist ein sehr persönlicher Ordnungs- und Verarbeitnsprozeß an dem Frau Meckel die Leser teilhaben lässt und doch enthält er nichts, was zu intim wäre. Nichts, was das Empfinden hinterlässt, das in anderen Berichten über das Buch durchschimmerte: sie macht auch daraus noch ein Projekt. Es ist ein sehr konstruktives Buch. Es lässt am Lösungsweg teilhaben.

Ich haben das Buch als ein Geschenk an ihre Generation gelesen: nimm Dich selbst früher wichtig!

Sollten Sie mehr zur Entstehung von Burnout erfahren wollen, so empfehle ich Ihnen zur Ergänzung noch das Buch von dem "Entdecker" des Burnouts dem Arzt und Psychologen Herbert Freudenberger: Burn-out bei Frauen: Über das Gefühl des Ausgebranntseins.

Samstag, 15. Mai 2010

Rezension Gerald Hüther: Männer, Das schwache Geschlecht und sein Gehirn







Die Erste Rezension auf diesem Blog beginnt mit einem männlichen Autor. Frauen und Männern wünsche ich viel Freue und Gewinn beim Lesen!


Rezension


Gerald Hüther

Männer, Das schwache Geschlecht und sein Gehirn

Vandenhoeck und Ruprecht, 2009


Im Wissen, dass Frauen insgesamt mehr Lesen und, das auch auf der Suche den Mann zu verstehen, sie sich für dieses Buch interessieren könnten, widmet der Autor den Frauen ein eigenes Kapitel mit der Bitte, das Buch auch Männern zugänglich zu machen. Was er nicht explizit schreibt und doch als Hoffnung durchschimmert: es ist kein Ratgeber für Frauen: wie erziehe ich meinen Mann, Kollegen oder Chef.

Wieso ist es mir dennoch Wert, dass Sie das Buch auf einer Seite zu Frauen und Karriere finden?
Es enthält interessante Informationen für Frauen über sich selbst und es enthält Informationen über Männer, die für Frauen zu Kennen sowohl beruflich, als auch privat ihren eigenen Handlungsraum erweitern können.

Zum Autor: Professor Hüther ist Neurobiologe und ein erfahrener und engagierter Forscher. Dieses Buch bündelt sein Wissen und zielt darauf, Männer zu motivieren ihr Potential für sich selbst zu entwickeln. Er macht das auf leicht geschriebene und allgemeinverständliche Weise. Dennoch schwingt für Kenner seiner bisherigen Bücher die ganze wissenschaftlich unterlegte Argumentation mit; es ist dicht und kompetent.

Eine Kernaussage: Die Biologie hat das weibliche und männliche und Frauen und Männer erfunden, weil sich Spezialisierung bewährt hat. Die Spezialisierung beruht darauf, dass ein Geschlechterpol für die Wahrung und Pflege der „bereits gefundenen und bewährten Überlebensstrategien“ spezialisiert ist. Der andere Pol „die Männchen dafür optimiert werden, besonders intensiv nach neuen Wegen und Strategien zu suchen, die eine Weiterentwicklung des Bestehenden, die Entwicklungfähigkeit und Anpassungsfähigkeit der Nachkommen an sich ändernde Lebensbedingungen ermöglichen. (s.47)“

Daraus ergibt sich eine unterschiedliche Begabungsbasis, die über die Geschlechtshormone gesteuert wird. Im konkreten Menschen zeigt sich das als „Interesse an…“ Das wiederum steuert die eigene Motivation zu Lernen.

Damit ist nicht gemeint, dass sämtliche Diskurse zu Gender hinfällig sind - im Gegenteil. Für die Einzelne Frau und den einzelnen Mann heute ist es ja gerade die Aufgabe mit der eigenen biologischen Basis, dem Körper und den sozialen Anforderungen und Möglichkeiten, die unsere offenen Gesellschaft biete, das Optimale zu entwickeln und zu realisieren, und das ist immer individuell. Hormonell gibt es unterschiedliche „Angebote“ in den Interessen. Realisiert wird das Leben aber über die Auseinandersetzung mit der realen Umwelt, den sozialen Beziehungen und dem aktiven Nutzen der „Angebote“, dem Lernen und dem aktiven Verhalten.

Was Hüther deutlich aufzeigt, dass genau das für Jungen und Männer gar nicht so einfach ist, wie sich das aus der Perspektive der Frau oft darstellt. Um nun als Frau den Kompromissen, die Männer zu ihrem eigenen Schaden machen, nicht aufzusitzen und sie zu idealisieren, ist das Buch eine sinnvolle Informationsquelle.

Männer sind biologisch extremer als Frauen: schwächer und stärker zugleich. Die Aufgabe ist es diese Extreme auszubalancieren. Das braucht die Fähigkeit sich zu zentrieren. Diese Aufgabe haben Frauen ebenso, doch ihre Begabungen machen es ihren leichter, wenn sie sie entwickeln, die Polarität von Bindung und Individuation zu bewältigen.

Die Schwäche ist, dass Jungen auf der Körperebene, konstitutionell verletzlicher als Mädchen sind. Das macht sie störanfälliger und vor allem angewiesener auf soziale Bindungen, die Halt geben. Zugleich ist die eigene Bindungsfähigkeit schwer mit der Seite der Stärke in Verbindung zu bringen.

Die Stärke liegt in der vor allem durch das Testosteron Hormon gesteuerte Spezialisierung hin zu einem Wesen, das sich immer wieder auf die Suche nach neuen Lösungen macht. Das erlebt der einzelne Mann als Suche nach Freiheit, Neuem, Abenteuer, Langweile gegenüber bereits Bekanntem.

Aus beiden Polen ergibt sich ein Dilemma, ein ständiger Spannungsherd zwischen Halt gebender Beziehung und einem risikohaften Leben, sowohl was den eigenen Körper als auch Beziehungen angeht.

Gerald Hüther ist sehr engagiert, um die Stärken von Männern für sie selbst nutzbar zu machen, ohne dabei die destruktiven Konsequenzen ausprägen zu müssen. Darüber hinaus gibt die Lektüre Anregungen für Frauen; mein Resümee nach der Lektüre:

Es ist für Frauen sinnvoll ihre eigenen Begabungsreserven zu kennen und zu nutzen und für deren Wertschätzung aktiv zu sorgen. Die liegen im Interesse an Personen und an der Integration von Neuem in das Alte.

Sowohl Weitblick zu haben, als auch fokussiert sein zu können, ist für Frauen und für Männer eine aktive Lebensaufgabe, die mit viel Übung erarbeitet werden kann! In der automatisierten biologischen Grundeinstellung bietet das weibliche Geschlechtshormon Weitblick, d.h. Vorsicht, Bindungskonsequenzen sehen und Detailgenauigkeit, das männliche Geschlechtshormon: Risikofreude (ohne Angst), Fokus auf ein neues Ziel (und Zerstörung von Bewährtem), Durchsetzungsfähigkeit und Aggression (und Beziehungsabbruch).

Es ist sinnvoll bei der Suche nach Karrieremöglichkeiten die maskulinen Strategien zu erkennen. Vor allem, dass es sich um Verhaltensanpassungen handelt, die mit ständiger Suche nach Neuem, Erobern, sich Behaupten und Durchsetzten zu tun haben. Diese haben Grenzen, nämlich Risiko ohne Rückbindungen einzugehen, Neues zu probieren, obwohl das Bewährte dabei zerstört wird, weil es schwer ist, dieses gleichzeitig im Focus der Aufmerksamkeit zu halten. Vielleicht entmystifiziert es Männer, weil ihre Grenzen verstehbar werden, aber es schafft auch mehr Wertschätzung für sie und hoffentlich für sich selbst als Frau.

Hier sehe ich die Chance für Frauen gerade im Bereich der Karriere und Führung: die Verbindung von Bewährtem und Neuem, von Bindung und Ziel orientiertem Verhalten und vor allem die Fähigkeit zur Selbstwahrnehmung und Selbststeuerung für sich und für das Unternehmen zu nutzten.