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Samstag, 27. April 2013

Rezension, Dorothea Assig und Dorothea Echter: Ambition - Wie große Karrieren gelingen


Rezension


 
Dorothea Assig und Dorothea Echter

Ambition
Wie große Karrieren gelingen

Erstausgabe März 2012

Campus Verlag ISBN 978-3-359-39585-2
 
 
 
Zwei erfahrene Beraterinnen haben ihr professionelles Wissen in diesem Buch zusammengeführt. Sie entwickelten ein Modell, das die Komplexität ihres Wirkens in eine scheinbar einfache Form bringt. Es ist ein dichtes Buch und zugleich sehr anschaulich und nachvollziehbar geschrieben. Von Frauen, die ihre eigene Ambition leben wollen, wird es als unterstützend erlebt, von Profis im selben Kompetenzfeld, wie mir, mit Interesse und Respekt zur Kenntnis genommen.
 

Ambition ist ein energetisches Zentrum, eine immense innere Kraft, eine Quelle des Antriebs. Es ist das, was einen Menschen motiviert, begeistert, was sich schon früh zeigen kann, als ein Bedürfnis nach Selbstausdruck, etwas das zu tun keine Zeitgrenzen kennt. Es ist der innere Motor. Es ist das, was ein Mensch geben will, wofür sie oder er „brennt“. Die Karriere ist das Ergebnis. Allein dies erklären die Autorinnen so  nachvollziehbar und das macht das Buch bereits lesenswert. Denn anders als viele Bücher zu Coaching und Selbstmanagement, geht es den Autorinnen nicht um kleine äußere Rezepte. Sie räumen mit vielen Irrtümern zu Karrierewegen auf.  

Durch die Frage nach der Ambition, erkennen sie den inneren Antrieb in der Person. Sie Fragen nach der Quelle, aus der die Energie sich immer wieder speist, die eine Voraussetzung für ein Gelingen einer großen Karriere ist. Die Quelle, die beharrliches Üben ermöglicht, weil es Sinn macht, gefühlten, erlebten Sinn, der viel Energie freisetzt, den kein Anspruch an sich und kein Druck von außen in der Konstanz erzeugen kann. 

Ihre Arbeit als Beraterinnen beginnt damit, Menschen in Kontakt mit dieser Quelle zu bringen, oder sie darin zu bestärken ihr zu vertrauen. Denn so eine starke innere, antreibende Kraft macht auch Angst, schürt Zweifel: „Bilde ich mir das alles ein?“ Trotz des Zweifels, was die eigene Begabung anbetrifft weiter zu üben, ist ein erster Hinderungsschritt, der überwunden werden will. Zentrale Widerstände und Hemmnisse für Erfolg, verorten die Autorinnen in der Person. Denn Menschen haben nicht nur die Sehnsucht erfolgreich zu sein, sondern eine ebensolche Angst davor. Daher ist ein weiterer Schritt, sich selbst für den Erfolg zu öffnen. Der eigenen Gabe Aufmerksamkeit zu schenken, sie dadurch erfassen, benennen, sich darin üben zu können, das sind weitere Schritte. Doch es gibt immer wieder Krisen, die zu Selbstzweifeln führen. Deren Sinn als Lernfeld zu erkennen und zu nutzten, das bedarf einer kompetenten Begleitung.  

Sich eine angemessene Bühne für das eigenen Können zu suchen, sich in ein Umfeld zu begeben, das die Kompetenz sieht, achtet und zugleich herausfordert, sind weitere Stationen. Diese müssen Maßgeschneidert für die Ambition gesucht und gestaltet werden. Denn so individuell, wie die eigene, einzigartige Begabung ist, so sehr ist der Weg der einer Pionierin, eines Pioniers. Der Weg der Karriere ist nicht vorgezeichnet, er muss gesucht werden. 

Die Autorinnen differenzieren weiter die Dimensionen: Karriere aufbauen, stabileren und die Vollendung. Auch in diesen Dimensionen wirken die vier Ebenen ineinander: die Stabilisierung der Psyche, Positive Resonanz erzeugen, die eigene Bühne schaffen und das Können (weiter) zu entwickeln. Es ist ein komplexer Prozess, der immer wieder eine neue Ausrichtung bedarf, jedoch nicht linear verläuft. Es ist ein Wachstums- und Entwicklungsprozess, der sich entfaltenden persönlichen Begabung und Reifung einer Person, in einer sich wandelnden Außenwelt. 

Natürlich sehen wir im Alltag immer wieder erfolgreiche Menschen, die öffentlich sichtbar wurden, auch ohne innere Vorbereitung. Doch es gibt viele, deren Karriere stockt, die sich nicht heraus wagen und solche, die sich damit überfordern. Gerade dort wo wir Karriere sehen können, vor allem im Showbusiness oder in der Politik, gibt es immer wieder Menschen, die daran scheitern, bzw. deren Scheitern wir sehen. Gründe sind, dass sie den Erfolg nicht halten können, weil sie zu einsam darin sind, weil die Spannung zwischen der „normalen Alltagsperson“ und der „erfolgreichen öffentlichen Person“ ein unüberbrückbares Spannungsfeld bilden. Die Folgen sehen wir an einem „abheben“, an ihren Suchtproblemen oder gar Suiziden.
 
Erfolg braucht eine solide innere psychische Basis. Es ist ein Fundament, das Schritt für Schritt entwickelt wird, um die einzigartige Begabung in eine erfolgreiche Karriere zu transformieren, die die Person halten und genießen kann. 

Die Autorinnen beleuchten auf 300 Seiten, die vielfältigen Aspekte ihres Modells gründlich. Deutlich wird: es geht bei der erfolgreichen Karriere sowohl um Handeln, als auch um Reifen – denn je tiefer die Wurzeln in die eigene Persönlichkeit hineinreichen, umso intensiver braucht es Zeit bis die einzelnen Themen erlebt, erfahren, entwickelt sind. Dieses Buch ist ein sehr Besonderes, weil es tiefgründig und zugleich handlungsleitend ist. Vor allem aber, weil es Komplexität nicht vereinfacht und trivialisiert, sondern Mut macht, sich dem Leben zu stellen und die eigene Ambition schrittweise zur Entfaltung zu bringen.

 

Sonntag, 4. November 2012

Rezension: Stefan Bollmann - Frauen, die denken, sind gefährlich und stark


Rezension
 





Stefan Bollmann 

Frauen, die denken, sind gefährlich und stark


 
Elisabeth Sandmann Verlag
ISBN 978-3-938045-70-1

  

Frauen, die denken, sind gefährlich und stark. Wie ein roter Faden zieht sich das Thema durch diesen wunderbaren Bildband. Denn diese Buch ist sehr vielschichtig: Fotos und Reportagen bilden ein sowohl informatives, wie ästhetische Buch, in dem für den Elisabeth Sandmann Verlag typischen Din-A-4 Format. 

Beschrieben sind 26 Portraits von Frauen, die einen ganz eigenen Weg gefunden habe Frau zu sein und dadurch auf einzigartige Weise zu wirken. Fünf Themenfelder bilden ein interessante Gliederung: Das erste handelt von Vordenkerinnen, wie Bertha von Suttner, Simone de Beauvoir, Hannah Arendt. Das zweite von mutigen Frauen in der Wissenschaft, wie Marie Curie, Lise Meitner, Jane Goodall. Das dritte schilderte das Leben und durchaus dafür sterben der Kämpferinnen für die Rechter der Frauen, wie Olympe de Gouges, Simone Veil, Alice Schwarzer. Das vierte handelt von Rebellischen Zeitzeuginnen, wie Oriana Fallaci, Susan Sonntag Anna Politkowskaja und das fünfte von dem Aufstieg zur Macht, in denen Indira Gandhi, Margaret Thatcher, Angela Merkel und Aung San Suu Kyi portraitiert werden. 

Einzigartige Fotos schaffen eine Nähe zu den geschilderten Frauen und können die Atmosphäre ihres Lebens einfangen.

Die Texte sind kurz, prägnant. Sie lassen auch bekannte Persönlichkeiten in einem Licht erscheinen, das die Frau hinter der Funktion, für die sie steht, hervorschimmern lässt. Aus der Fülle einer Biographie ist es Stefan Bollmann auf exzellente Weise gelungen die Essenz dessen zu schildern, was die jeweilige Frau angetrieben und zu einer starken Frau machte. Deren Einzigartigkeit wird deutlich und ebenso die Gefährlichkeit, jedoch nur für diejenigen, die selbstbestimmte Frauen und deren positive Gestaltungskraft noch immer für gefährlich halten. So eignet sich das Buch um neue Perspektiven auf bekannte Frauen zu werfe und ebenso, um sich schnell mit den Persönlichkeiten bekannt zu machen, und mögliche Bildungslücken zu schließen. 

Dieses Buch ist ein ideales Weihnachtsgeschenk, für Ihre beste Freundin, was sie durchaus selbst sein können.
Viel Freude damit!

Samstag, 14. Januar 2012

Leib, Körper und der inneren Nährboden für Frauen in Führung


Wie schon in meinem letzten Beitrag geschildert, habe ich durch die Auseinandersetzung mit der chinesischen Welt sehr viel gelernt. Dazu gehören sehr konkrete eigene Reiseerfahrungen, Begegnungen, wie auch die Auseinandersetzung mit Büchern. Ein sehr Wesentliches ist das von Frau Professorin Gudula Linck mit dem Titel „Leib oder Körper“. Daher ist es in einer Rezension vorgestellt. Doch zuvor möchte ich meine Beweggründe mitteilen, was dieses Buch mit dem Themenfeld des Blogs, mit Frauen und Karriere, zu tun hat.

Ich habe in dem vorangehenden Blog-Beitrag begonnen die Wurzelkraft als die Quelle für den Erfolg weiblicher Führungskompetenz zu benennen und deren Wirkweisen zu schildern. Dass diese Wurzelkraft der jeweiligen Frau zur Verfügung stehen kann, dafür bedarf es einer Verwurzelung in sich selbst. Unsere eigenen Wurzeln haben verschiedene Ebenen und Schichten. Sie beginnen mit dem in sich verwurzelt sein, lebendig uns im eigenen Körper empfinden und erfahren.

Unser räumliches Umfeld gehört ebenso wie die nährenden Beziehungen und das erweiterte soziales Umfeld zu den Wurzeln. Die Verbindung zum eigenen Körper ist dabei eine sehr zentrale Quelle der eigenen Vitalität, Lebendigkeit und Gesundheit.

Angesichts der hohen Anforderung in der beruflichen Welt bedarf es eines stabilen verlässlichen Erlebens von Gesundheit. Wenn der Wusch nach einer Führungspositionen entsteht, so ist eine Vergewisserung, dass die dafür notwenigen energetischen Ressourcen auf der körperlicher Ebene zur Verfügung stehen essenziell. Die Erweiterung des Verantwortungsfeldes bedarf einer effizienteren Nutzung der eigenen Regenerationsfähigkeit.

Wenn wir Frauen in Führung denken, so ist es oft dem Blick nach außen gerichtet, auf die zu erreichenden Ziele. Ich richte die Aufmerksamkeit ebenso mit der Frage nach Innen: steht die Kraft für diese Reise zur Verfügung? Wie kann sie effizienter genutzt werden, um nicht mit einer Erschöpfung beim Aufstieg konfrontiert zu werden. Wie kann ich mit meinem Körper so umgehen, dass ich lebendig, energievoll tätig werden kann?

Diese Fragestellung ist nicht zu verwechseln mit der Kompetenz, die in die Führungsaufgabe eingebracht werden soll. Es ist ebenso wenig die Thematik der Reproduktionsarbeit, der nährenden Aktivität für andere. Es ist die Voraussetzung für die vielfältigen Qualitäten der Führungskompetenz. Es geht um die eigene leibliche Präsenz, Energie, Stabilität. Dies beinhaltet die Fähigkeit zur Selbsternährung, der Selbstfürsorge. Diese Themen durch Wissen aus der chinesischen Philosophie zu vertiefen, hat mich auf das Buch von Gudula Linck neugierig gemacht.

Dienstag, 3. Januar 2012

Die kreative Energie des Winters


Wenn in einem Blog seit eineinhalb Jahren kein Beitrag mehr erscheint, ist das dann noch ein Blog?
Auf diesem Blog gibt es die fünf Goldfische, als Symbol für die fünf Wandlungsphasen. Einem Konzept der chinesischen Philosophie entnommen, stehen die Wandlungsphasen für die fünf Abläufe des Lebens, wie sie sich z.B. in den Jahreszeiten ausdrücken. Nach einer Zeit der Ernte, des Herbst, des Ausdrucks, der Beiträge die sich in Sichtbarkeit niedergeschlagen haben, folgte bei mir der Winter, als einer Zeit der Innenwendung. In dieser Zeit, in der sich die Kräfte im Inneren sammeln, werden die eigentlichen Strukturen sichtbar, so wie die kahlen Bäume die Form ihres inneren Gerüstes zeigen. Es ist eine Zeit der inneren Verdichtung, Sammlung und der Überprüfung, ob die alte Struktur noch taugt. Es werden neue Wurzelungen und Verknüpfungen in der Natur geschaffen. So habe ich in dieser Zeit auch eine Erweiterung meiner Sicht auf das Thema: Frauen und Karriere erfahren.

Diese Erweiterung betrifft die Wurzeln, deren Entfaltung, deren Pflege und aus denen und durch die dann, in der folgenden Phase des Frühlings, die Energie fließen kann. Eine Energie, die auch eine Neuausrichtung beinhaltet, denn sie würdigt diesen ganzheitlichen Prozess.

Was sind die Wurzeln im Themenfeld Frauen und Karriere? Sie sind das, was uns Energie, Lebenskraft, Verbundenheit gibt, uns Ressourcen sind. Nach einer intensiven Phase der beruflichen Extraversion, der engagierten Tätigkeit, der kreativen Arbeit mit anderen Menschen ist die Frage: wie findet eine Regeneration statt, wie ein auftanken? Je anspruchsvoller die Tätigkeit, desto mehr ist die hohe Qualität der Regeneration eine Notwendigkeit. Die Wurzeln haben mit den unterschiedlichen Ebenen des Auftankens zu tun. Sie sind vielseitig, vielschichtig und je differenzierter die Wurzeln, umso mehr steht eine aktive Zuwendung zum Leben zur Verfügung. Worin bestehen sie genau?
- Energie tanken über alle Wege, die dem leiblichen Wohl zuträglich sind.
- Lebenskraft sammeln durch Muse, durch Sein, Kontemplation, Kultur, ebenso wie durch
Aktivität in der Natur, Atmen, Körperübungen, Meditation, sich erfahren im Austausch.
- Verbundenheit mit Menschen die uns in unserem Sein begrüßen, mit denen sich unser Wert nicht am Ertrag misst, den wir für sie erzielen.
- Selbstbezug und in Verbindung mit dem eigenen Wesen und Sinn des eigenen Lebens stehen.
- Entfaltung des eigenen Potentials, in neue tiefere Schichten der eigenen persönlichen Anlagen vordringt.

Am Anfang des Lebens steht ein unerschöpfliches Reservoir an Lebenskraft zur Verfügung. Es scheint, als ob es nur darum ginge, diese in eine Richtung zu lenken. So ist der Beginn der Karriere vor allem durch das Thema der Zielfindung bestimmt. Was ist meine Begabung? Wo will ich hin?

Die Entwicklung und Entfaltung der unterschiedlichen Fertigkeiten sich in der Welt des Erfolges zu bewegen und auszudifferenzieren, lässt die Aufmerksamkeit für die Regeneration und damit für die Wurzeln in den Hintergrund treten. Wie von selbst scheint am nächsten Morgen die Kraft zurück gekehrt und der Aufstieg geht weiter.

Vergessen sind die Menschen, die Bindungen, die nährenden Strukturen, die das erwachsen werden begleitet haben. Alles ist selbstverständlich und scheint in dem Selbstbild der eigenen Autonomie auch für immer so weiter zu bestehen. Wir leben von den Vorräten die wir angesammelt haben. Wenn die Wertschätzung für die regenerativen Fähigkeiten mit verinnerlich wurde, so ist auch die Fähigkeit gegeben, immer wieder inne zu halte, aufzutanken. Je identifizierter eine Frau mit dem Erfolg ist, desto mehr besteht die Gefahr, Raubbau zu treiben, auszubrennen.

Nicht zufällig war das letzte rezensierte Buch auf dem Blog, das von Frau Meckel über „Erfahrungen mit Burnout“. Meine Fragen, die mich die letzten eineinhalb Jahre begleitet haben, waren nun diese:
- Wie hängt dieser Raubbau mit den eigenen Ressourcen,mit dem in unserer Kultur so selbstverständlichen Weltbild des Erfolges zusammen. Gibt es dazu Alternativen?
- Wie können Frauen führen, und sich zugleich in der Fülle ihrer weiblichen Potenz verankern?
- Ist das „Missing link“, die Würdigung der weiblichen Reproduktionsarbeit, oder der winterlichen Wurzelkraft?

Schon sehr lange beschäftigte mich das Thema der Abwertung dessen was „Reproduktionsarbeit“ ist. Meine Suche ging dahin zu schauen, wie sich die unsichtbare Bindungsarbeit, die alltägliche Pflege der Personen und der Dinge, die erst sichtbar wird, wenn sie nicht geschieht, wahrnehmbar werden kann. Denn nur so kann sie in unseren Blick geraten und die ihr gebührende Würdigung erfahren.

Mir begegnete eine Kultur, eine Philosophie, die die zyklische Lebensweise erfasste und daher anders dachte. Würde sie Erfolg und Führung anders beschreiben? Es ist eine Kultur, die sehr wohl erfolgreich ist. Würde sie auch die regenerativen Aspekte sehen? Würde sie die reproduktiven Tätigkeiten würdigen? Ich tauchte in die chinesische antike und reale Welt ein.

Konkret habe ich mich mit der chinesischen Philosophie befasst, bin mehrfach in China gereist, im neuen und im „alten“ China real und geistig unterwegs gewesen und dieses Erfahrungswissen und die Weisheit die mir begegnet ist, zeigt sich in den folgenden Beiträgen und Rezensionen, wie in meinen Gedanken dazu.

Weibliche Kunst im Sinne der nährenden, regenerativen, zugleich aber auch kreativen Potenz der natürlichen Entfaltung, der Yin-Qualität habe ich versucht durch die Auseinandersetzung mit der dortigen Kultur besser zu verstehen. Ich habe einerseits entdecken können, dass das Erfassen einer Welt, als in einem ständigen Wandel befindliche, das Lebensgefühl der antiken chinesischen Welt prägte. Diese Sicht lebt weiter, z. B. in der TCM. Zugleich habe ich erfahren, dass im modernen China das „westliche“ Erfolgsstreben ebenso lebendig ist, wie in unserem Kulturkreis. Daher sind auch das Wissen und die Wertschätzung des Weiblichen nicht entfalteter.

Ich habe sehr viel gelernt aus der Auseinandersetzung mit der chinesischen Welt. Zugleich habe ich mich bestärkt gefühlt, dass die Würdigung der Wurzelkraft die Quelle für den Erfolg weiblicher Führungskompetenz ist. Wie wenig dieser Prozess der Reproduktionsarbeit eine Selbstverständlichkeit ist, sondern wie sehr sich auch hier eine Fülle verantwortungsvoller Tätigkeiten zeigt, das ist für mich die Erweiterung im Frauen und Karriere Bild.

Meine These: Die Würdigung dieser regenerativen Kompetenzen, diese Nutzung dessen, was ich Wurzelkraft nenne, als eine in vielfacher Weise „weibliche Kunst“ schafft den Nährboden für Frauen in Führung.

Samstag, 15. Mai 2010

Rezension: Claire Shipman und Katty Kay, Womenomics, Bestimmen Sie Ihre eigenen Erfolgsregeln


Gibt es eine Unterschiedlichkeit mit der Frauen und Männer an das Thema Arbeit und Karriere herangehen? Die Autorinnen meinen Ja durchaus - lesen Sie selbst!

Rezension: Claire Shipman und Katty Kay
Womenomics, Bestimmen Sie ihre eigenen Erfolgsregeln
Eichborn 3-2010

Welch ein Wort: Womenomics – ach, es geht um Frauen und um Ökonomie!


Die Autorinnen kennen das Buch von Gerald Hüther „Männer“ nicht, es ist ja parallel erschienen, doch das Wissen auf dem das Buch von Gerald Hüther basiert, ist schon länger bekannt, sowohl in Deutschland als auch in den USA. Doch es ist ein irritierendes Wissen: viele Frauen haben einen anderen Bezug zu ihrer Karriere als Männer. Für Männer ist der Beruf das Thema Nummer eins, das erst eine Familiengründung ermöglicht. Für Frauen gibt es zwei Prioritäten: Beruf und Familie und damit ein Dilemma.

Aus der durchaus berechtigten Sorge heraus, dass die Biologie gegen Frauen benutzt wird, haben auch Frauen selbst lang gezögert, diese Themen öffentlich zu machen. Auch den Autorinnen ging es so. Beide sind erfolgreiche Journalistinnen und Mütter. Ihr Anliegen ist es, beide Verantwortungsbereiche so zu verbinden, dass auch für sie selbst noch ein konstruktives Lebensgefühl besteht, nicht nur eine chronische Überforderung. Sie suchen einen Lösungsweg für ein Dilemma, mit dem sehr viele Frauen immer wieder zu tun haben und zunehmend auch mehr Männer: Karriere und Familie in einer konstruktiven, sich ergänzenden Form zu verbinden. Ihr Lösung ist eine neue Haltung: „Ja, ich will arbeiten und ich will kreativ, effizient und erfolgreich arbeiten. Aber ich will es zu meinen Bedingungen tun: mit flexiblen Arbeitszeiten, fairer Bezahlung und der Möglichkeit, eine vernünftige Balance zwischen Arbeit und Privatleben zu finden.“

Frauen haben sich und der Gesellschaft gezeigt, dass sie genauso leistungsfähig wie Männer sind. „Wir“ sind Bundeskanzlerin“ (Deutschland), Außenministerin (USA), um nur zwei Beispiele zu nennen. Doch zugleich ist immer mehr sichtbar, dass für viele, gerade best ausgebildete Frauen die Form der beruflichen Tätigkeit, der 16 Stundentag z.B. nicht wirklich attraktiv ist. Was die Autorinnen schildern, kann ich aus meiner Sicht auch für Deutschland nur bestätigen: Frauen gehen mittlerweile auf Karriereleitern nicht weiter nach oben, weil dort die Form der Arbeit unattraktiv für sie ist, nicht weil sie davon abgehalten werden.

Wieso ist das so? Das Interesse an Erfolg ist bei vielen Frauen ein wenig anders gelagert. Es gibt sehr maskulin ausgerichtete Frauen, ca. 20%, denen das männliche Erfolgsmodell entspricht und die sich darin aufgehoben fühlen und die auch diesen Weg der Priorität im Beruf gehen. Sehr feminin betonte Frauen machen die Karriere in der Familie, ca. 20%. Doch eine große Gruppe, die Mehrheit sucht einen „Weg dazwischen“, ein sowohl Erfolg im Beruf, als auch ein erfülltes Privatleben, eine Familie. Dazu gehört vor allem die Flexibilität in der Arbeitszeit um die beiden Bereich besser verbinden zu können. Dazu gehört auch eine beziehungsorientierte Komponente. Das Wissen darum, dass effizient zu arbeiten und sich wohlfühlen zusammen gehören können. Die Mitarbeiterführung von Frauen bringt schon heute sichtbare Steigerungen der Erträge. Diese besonderen Qualitäten wollen Frauen nicht nur gerne einbringen, sie wollen dafür auch geachtet, befördert und bezahlt werden.

Die Autorinnen haben ein leicht lesbares und gut recherchiertes Buch geschrieben. Beide sind erfolgreiche Profis und zugleich haben sie ihre eigenen persönlichen Erfahrungen reflektiert und einfließen lassen.

Es ist nicht nur eine Bestandsaufnahme und eine Faktensammlung, die das Buch so lesenwert machen. Außer dem Theorieblock, der spannend ist, ist es ein Ratgeber: es gibt viele Anregungen, wie das nun genau gehen kann und macht Mut, gleich das eine oder andere praktisch in den Arbeitsalltag umzusetzen. Denn die Zeit ist reif für Womenomics!

Gerade dadurch, dass es mittlerweile so viele sehr gut ausgebildete und motivierte Frauen gibt, besteht nach dem Gesetz der „Kritischen Masse“ auch die Möglichkeit, dass sich Frauen nicht nur an die Arbeitsstrukturen, die Männer für sich entwickelt haben, anpassen, sondern diese verändern und beeinflussen können. Wir leben in einer historisch erstmaligen Zeit, in der Frauen sich die Arbeitswelt nach ihren eigenen Wünschen gestalten können. Und sie gestalten sie damit auch für viele Männer, die nach neuen Lösungen in der Work-Life-Balance suchen. Konkrete erste Schritte sind gemacht, Frauen sind erfolgreich in ihrem beruflichen Leben, doch der eigentlich innovative Weg liegt noch vor uns: viel Spaß beim Lesen und dem aktiven Umsetzten!