Posts mit dem Label Selbstverantwortung werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Selbstverantwortung werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Sonntag, 29. Dezember 2013

Rezension Matthias Horx: Zukunft wagen.Über den klugen Umgang mit dem Unvorhersehbaren


Rezension

Matthias Horx

Zukunft wagen

Über den klugen Umgang mit dem Unvorhersehbaren

 

Verlag DVA, München 2013

ISBN:978-3-421-04444-0
 
Zwar ist Zukunft etwas, was uns in jedem Augenblick unseres Lebens begegnet und doch habe wir Menschen ritualisierte Zeiten, an denen wir uns mit besonderem Interesse mit dem befassen, was verborgen vor uns liegt. Der Jahreswechsel ist so eine Zeit. Dazu passend hat der bekannte Trendforscher Matthias Horx ein neues Buch geschrieben.
Es liest sich gut, wie bereits seine bisherigen Werke. Doch neu ist, dass er nun keine neuen Trends herausarbeitet, sondern die Person und ihr Umgang mit dem Unvorhergesehenen im Mittelpunkt stehen. Ich vermute genau das ist der Trend: wir haben einen enormen Zuwachs an individueller Selbstverantwortung und Entscheidungsnotwendigkeit. Aus unserem Leben das Beste zu machen, ist eine tägliche Herausforderung geworden. Die Weichen sind nicht für Jahre oder gar Jahrzehnte in die gleiche Richtung gestellt: Berufe, familiäre Bindungen all das ist instabiler geworden und erfordert daher individuell flexibler reagieren zu können. Oder erscheint es uns nur so? Die individuelle Wahl der Erfahrung erhöht sich ständig. Das kann als Freiheit erlebt werde, oder als ständige Verunsicherung, Bedrohung, bis hin zur Angst. Beides ist abhängig vom „klugen Umgang mit dem Unbekannten“.
Horx schildert diese Thematik in mehreren Kapiteln. Er lässt uns als LerserInnen Einblick nehmen, wie sich Zukunft in seiner eigenen Vita entfaltete und wie wir sie als Vergangenheit in unsere Lebensgeschichte einbauen. Folgen Sie seinen Spuren, das Lesen lohnt.
Er untersucht und diskutiert Antriebsmechanismen für persönliche uns gesellschaftliche Wirksamkeit: Utopien, Unser Blick auf realen Wohlstand und der Wahrnehmung von deren baldigem Ende, die Faszination der Apokalypse um einige zu nennen. Er stellt das Spannungsfeld zwischen Effizienz und Effektivität (S.108) dar und motiviert sich auf diese neue Ebene der Vernetzung zu wagen, die sich in der Effektivität verbirgt. Das Denken und vor allem das Leben und Erleben muss sich dafür aus dem Modus der Linearität und Zielgerichtetheit zu einer weiteren Perspektive öffnen: der Wahrnehmung von Kreislaufsystemen und der gegenseitigen Abhängigkeit von Personen und Ressourcen. Das Zielerreichungsmuster der Effektivität ist daher eine Intelligente Vernetzung. Gemeint sind die mittel- und langfristigen Konsequenzen, die sich bei einem zu engen Horizont zeitlicher und räumlicher Wahrnehmung, nicht unmittelbar erschließen.
Ebenso plädiert er auf der Ebene der zwischenmenschlichen Beziehungen dafür, sich der gegenseitigen Abhängigkeiten (S.161) bewusst zu werden, um sie gestalten zu können. Sein Ziel geht immer wieder dahin eine größere Komplexität möglich und lebbar zu machen. Diese können wir durch eine Zunahme von Vertrauen in eine gelebte gegenseitige Verbindlichkeit erfahren.
Die Resilienz war ein Zukunftswort, das sich in den letzten Jahren immer mehr als ein zentrales zu entwickelndes Lebensprinzip zeigt. Aus der Werkstoff Technik kommend, hat Resilienz in das Gesundheitswesen und in die innerpsychische Stabilität, z.B. gegen belastende Umweltfaktoren, bereits Einzug gehalten. Zentrale Eigenschaften der Resilienz können als wirksame Faktoren auch in Unternehmen für Zukunftsfähigkeit sorgen. (S.238). Komplexe vernetzte System brauchen Akteure, die selbst flexibel sein können, die mit Präsenz und Achtsamkeit auf die sich ständig wandelnden und verändern Innen- und Außenbedingungen antworten können. Das bedarf Menschen, denen das Neue nicht Angst macht und die zugleich das Bewährte nicht unüberlegt einer Idee des Neuen opfern. Das Thema ist die Mischung von Stabilität und Störungsfähigkeit eines Systems.
Wir als Menschen und die Welt um uns herum, die materielle, die soziale, die geistige, ist in einem ständigen Wandel. Um diesen Wandel zu Erleben und nicht nur zu Erdulden, bedarf es Vertrauen in den Lebensfluss. Die Lektüre nährt durch Einsichten, Erkenntnisse und Fakten und lässt so das Vertrauen die Komplexität des Lebens auch 2014 bewältigen zu können, wachsen.

Donnerstag, 3. Oktober 2013

Rezension, Catharina Bruns: Work is not a Job


 
 
Rezension
                                                                                        
Catharina Bruns
Work is not a Job

Was Arbeit ist, entscheidest Du!
 

Verlag Campus, Frankfurt 2013

ISBN:978-3-593-39998-0

 
Die Autorin ist eine begeisterte Selbständige, die diese Erfahrungen anderen schmackhaft macht. Es ist ein kreatives und sinnliches Buch, mit viel Humor, abwechslungsreich geschrieben und illustriert. Es ist in ganz kurzen Merksätzen erfassbar, oder auf sehr nachvollziehbare Weise geschildert und begründet. Worum geht es ihr: um eine neu Form der Arbeit. Arbeit ist unser Leben, es ist das, womit wir die meiste unserer Zeit verbringen, also macht es Sinn darin lebendig zu sein, und vor allem: selbstbestimmt. Sie schreibt provokant und realitätsnah. Es ist kein theoretisches Werk, sondern eine Aufforderung zu beginnen, zu handeln, das eigene Leben selbst in die Hand zu nehmen. Wieso? Weil es Sinn macht für sich selbst und für andere. 

Sie differenziert zwischen einem Job, der Karriere und der Berufung. Dabei setzt sie Karriere sehr mit dem Aufstieg innerhalb einer großen beruflichen Organisation gleich. Ich fasse den Begriff weiter, und daher ist meiner Ansicht nach Karriere gerade dann erfolgreich, wenn sie durch die eigene Berufung (der Ambition) genährt ist. Ich bin ganz bei der Autorin, wenn sie schreibt: „Ich bin, was ich tue“. Ihr geht es um die Entwicklung von „Entrepreneurship“, Selbständiges Unternehmertum, das eine unternehmerische Denk- und Handlungsweise beinhaltet, die die Umsetzung eigenen Ideen ermöglicht. Außer guter Ideen bedarf es dafür hinaus: Selbstverantwortung, Selbstorganisation, Selbststeuerung und nicht zuletzt Selbstvertrauen. Der innere Antrieb dafür ist es: zu tun, was man gerne tut. „Erfolgreich ist, wer an Dingen arbeitet, die ihn tief bewegen. (S.71)“. Ihre zentrale Botschaft ist daher: „Liebe, was Du tust!“ 

Die Autorin wird konkret: Sie schreibt über Geld, über den Blick auf Kunden, und sie macht Mut für den ersten kleinen Schritt. Aus ihm ergibt sich der nächste kleine Schritt: handeln, anstatt zu sehr nach dem Idealen zu suchen ist ihr Motto. Mit leidenschaftlichem Interesse an sich selbst, der Welt und der Offenheit und Begeisterungsfähigkeit sich auf den Weg und an die Arbeit zu machen, dazu motiviert die Autorin. Ihr Anliegen ist es: Arbeit zu leben, die dadurch Flow ermöglicht, in er man aufgeht und sie um ihre selbst willen immer wieder gerne tut. 

Gerade für junge Menschen, die sich für eine Anpassung in einer sie nicht erfüllenden Arbeit verbiegen, ist das Buch ein Balsam und ein Mutmacher, um sich auf den eigenen beruflichen Weg zu begeben und Selbstverantwortung für ihr (Arbeits-)Leben zu übernehmen. Das beinhaltet: Falsche Sicherheit loszulassen und stattdessen die Sicherheit in der eigenen Herzensbotschaft zu suchen und sich dem zuzuwenden, was wirklich Spaß macht und dadurch auch die Kraft gibt, die Probleme, die bei jeder Arbeit auftauchen, zu meistern. Sie ermutigt, die eigene persönliche Begabung zu suchen und sich in einen unaufhörlichen Prozess „der Kultivierung und Vervollkommnung (S.145)“ zu begeben. Dies ermöglicht eine Arbeit, die authentisch mit der eigenen Persönlichkeit ist. Zugleich ist sie für andere von Wert: „Der Wert unserer Arbeit besteht in dem, was wir bereit sind, der Welt anzubieten. (S.151)“ 

Wenn ich auf meinen eigenen Erfolgsweg zurückblicke, der 25 Jahre früher als der der Autorin begonnen hat, so kann ich Ihre Thesen und Erfahrungen nur aus vollem Herzen bestätigen: ich habe meinem Herzen vertraut, ich habe das zu meinem Beruf gemacht, was ich noch heute von Herzen gerne tue, ich bilde und entwickle mich unaufhörlich weiter, weil es mir Spaß macht und ich habe mir letztlich einen Beruf geschaffen, den es in mir als Vision gab, doch damals noch nicht in der realen Welt. 

Spaß beim Lesen werden Sie sicherlich haben - Die Handlungskraft und den Mut ihre Begabung zu leben wahrscheinlich ebenso!