Samstag, 19. Juni 2010

Frauenseminare – was ermöglichen sie Frauen auf ihrem Weg in die Führungsverantwortung?

Das Interesse an der Karriere hin zur Führungsverantwortung ist nicht nur bei Frauen selbst sehr groß, sondern findet auch in den Unternehmen immer mehr Resonanz. Wie der Weg aussehen kann, Frauen in Führung zu begleiten, zu ermuntern, zu fördern, zu motivieren, darüber gibt es sehr unterschiedliche Auffassungen. Frauen zu fördern, ist das noch zeitgemäß? Ist es nicht selbst an der Frau, wenn sie gut ist, auch alleine eine Führungsposition zu erobern? Für Männer ist ein unterstützendes Netzwerk auch kein Hinderungsgrund. Es besteht für sie kein Gegensatz zwischen dem, Kontakte zu nutzten und zu meinen, dass sie es selbst durch ihre Leistung in die Position geschafft haben. Den Weg in die Führungsposition ganz alleine zu bewältigen, kann, muss aber nicht sinnvoll sein. Ich meine, dass es sich Frauen nicht schwerer machen müssen, als es eh schon ist, indem sie sich zu viel Alleingang abverlangen. Vor allem, da Führen auch etwas mit Teamplay zu tun hat. Wenn sich eine Frau zu sehr als Einzelkämpferin profiliert hat, dann stellt das ihre Vorbildfunktion als Leitfigur, als Alphatier, häufig in Frage. Es ist also eines der vielen Dilemmata, mit denen Frauen nicht erst in der Führungsposition, sondern schon auf dem Weg dahin zu tun haben.

Mentoring, Quote, Netzwerken, Coaching, was ist der richtige Weg? Ich bin der Meinung, den gibt es nicht. Es gibt sehr viele unterschiedliche, sich ergänzende Wege. Sind Frauenseminare ein Weg? Ich meine: Ja! Solche Veranstaltungen, in denen Frauen unter sich ihre Erfahrungen austauchen, reflektieren und sich auf diese Weise für die Verantwortung zu Führen bereit machen. Denn ein Austausch unter Frauen ermöglicht es, die besonderen Kompetenzen und Begabungen von Frauen heraus zu arbeiten und dadurch nutzbar zu machen.

Die Kenntnis der von Männern entwickelten Führungskultur, ist für Frauen zwar wesentlich, um in der eigenen Kompetenz wahrgenommen zu werden und in den entsprechenden Ritualen agieren zu können. Dabei jedoch stehen zu bleiben, ist nicht nur unbefriedigend, sondern fällt auch hinter die aktuelle Führungsdiskussion zurück. Die Werkzeuge der Führung flexibel anzuwenden ist heute, in der sich ständig verändernden beruflichen Umwelt, die zentrale Kompetenz. Das kann nur gelingen, wenn die eigene Persönlichkeit eine flexible Haltung und damit eine, der jeweiligen Situation angemessene Anpassung und zugleich Handlungsfähigkeit ermöglicht.

Genau in diesem Bereich liegt nun die zentrale Kompetenz von Frauen: das Interesse an Personen und an nachhaltigen sachlichen Erfolgen. Anders gesagt, die Verbindung von IQ und EQ, von Sachkompetenz und Beziehungsintelligenz. Dazu gehört auch die eigene Person und deren bestmögliche Entwicklung. Erlebt wird das vielleicht als Anpassungsfähigkeit. Doch es ist darüber hinaus die Kompetenz, sich auf die sich ständig ändernde Welt, und sowohl auf Sachanforderungen, als auch auf andere Menschen einstellen zu können. Kommunikationsfähigkeit, Beziehungsorientiertheit, Flexibilität und Organisationstalent, die Verbindung von Kurz- und langfristigen Sachzielen – diese Komplexität zu bewältigen und in zielführendes Handeln umsetzen zu können, gelingt mit einem sichern inneren Halt. Diese Stabilität und Verwurzelung in der eigenen Persönlichkeit ist auch notwendig, um sie mit Kritikfähigkeit, Konfliktkompetenz und Durchsetzungsvermögen verbinden zu können.

Führen bedeutet, wie Sie sicher wissen, der Umgang mit Dilemmata. Der alltägliche und ständige Aufenthalt in einem Spannungsfeld. Es gilt die Balance zu finden zwischen der privaten Person und der beruflichen Rolle. Jedoch auch innerhalb der Führungsrolle ist es eine ständige Herausforderung, die Spannung zwischen der Führungsfrau und ihren Mitarbeiten und dem Umgang mit den eigenen Vorgesetzten, sowie der zwischen den internen und den externen Kunden zu bewältigen. Komplexitätskompetenz ist gefragt!

Vor allem ist die Fähigkeit, Einsamkeit konstruktiv zu nutzen wesentlich. Da viele Frauen sehr beziehungsorientiert sind, ist gerade die Regulierung der Einsamkeit eine sehr große Herausforderung. Wie dies anderen Frauen erleben und wie sie damit umgehen, das ist ein spannendes Thema in einer Veranstaltung wie einem Frauenseminar. Meine Erfahrung als Trainerin ist, dass sich Frauen durch den Austausch darüber sehr bestärkt fühlen. Nicht zuletzt entstehen, wenn Vertrauen erlebt wird, dadurch auch über die Gruppenzeit hinausgehende stärkende Kontakte. Das Ziel eines solchen Seminars ist es, dass die Teilnehmerinnen ihren eigenen, persönlichen Stil als Führungsfrau weiter entwickeln. Dieser situative und flexible Führungsstil bildet die Basis, auf der Führungsintrumente und Techniken zielführend und nachhaltig wirkend, eingesetzt werden können. Darin zeigt sich die heute moderne Führungskompetenz.

Dieses komplexe Verständnis über den Weg in die Führung, habe ich gerne mit Ihnen geteilt.

Montag, 24. Mai 2010

Rezension: Miriam Meckel, Brief an mein Leben - Erfahrungen mit einem Burnout





Rezension


Miriam Meckel

Brief an mein Leben

Erfahrungen mit einem Burnout







Rowohlt Hardcover, 224 S.
12.03.2010 18,95 €
ISBN 978-3-498-04516-6

Miriam Meckel ist erfolgreich. Sie ist Professorin für Kommunikationswissenschaften, eine Karrierefrau, eine öffentliche Person. Als sie das Buch schreibt ist, sie 42 Jahre alt. Sie schreibt es in einer Klinik, in der sie von einem Burnout gesundet.

Wäre sie nicht so bekannt, das Buch hätte wohl nicht diese Resonanz gefunden. Denn das Thema selbst ist noch immer unter Erfolgreichen etwas, das eher verheimlicht wird. Allein schon deswegen sei ihr für den Mut gedankt, ihre persönlichen Erfahrungen mit uns Leserinnen zu teilen. Sie gibt Einblicke, wie sie in den völligen Erschöpfungszustand hineingekommen ist und zeigt einen Teil des Weges, den sie zurück zu sich selbst begeht.

Völlige körperliche und psychische Erschöpfung, ausgebrannt sein, das umschreibt einen Erlebenszustand, in dem kein Funktionieren mehr möglich ist. Es ist der energetische Bankrott. Der Körper und die Seele können nicht mehr. Sie selbst hatte das als Versagen erlebt. Ein erster Schritt zu Heilung ist daher der, so schmerzlich und schwer es für sie ist, zu erkennen: auch sie hat Grenzen. Gerade weil ihr all das Viele, was sie beruflich und privat erleben wollte so viel Freude bereitete, war es ihr so schwer, ihre eigenen Grenzen zu achten. Sie hat sie gemerkt, aber immer wieder mit viel Willenskraft weiter gemacht. Burnout hat man sich immer hart erarbeitet! Selbstdisziplin und die Freude am Erfolg sind zentrale Zutaten; und nicht zuletzt die gesellschaftliche Anerkennung genau dieser Art und Weise mit sich umzugehen "Geht nicht, gibst´s nicht!"

Frau Meckel kann sehr schön schreiben, anregend, anschaulich, wissenschaftlich unterfüttert, in einigen Passagen literarisch. Es ist kein unreflektierter Selbsterfahrungsbericht, sondern eine tiefgründige Auseinandersetzung mit sich selbst, exemplarisch, die zu lesen lohnend ist.

Sie setzt sich mit Themen auseinander, die sie an sich schätzte und die zur Gefahr geworden waren: Multitasking - Mehreres schnell gleichzeitig machen und denken, viel Verschiedenes in verdichteter Zeit umsetzten. Sich ständig bewegen, geistig und körperlich (reisen). Sie wusste, dass das Gehirn nicht alles gleichzeitig kann, aber welche Folgen der immer schnellere Wechsel hatte, wie sich mentale Erschöpfung auswirkt, das zu erfahren, war bitter.

Frau Meckel hat eine steile Karriere hingelegt, die jüngste Professorin, sehr sichtbar, vorbildlich. Sie reflektiert das in dem Kapitel "Pflegeleicht". Sie hat ihren eigenen Erwartungen entsprochen und ihre Ziele hat sie sich hoch gesetzt. Sie hat es aber auch anderen immer wieder leicht gemacht mit ihr umzugehen. Den Preis reflektierte sie zu spät.

Die Zeit für sich selbst ist dabei zu kurz gekommen. Für die Seiten, die nicht mit Arbeit und Öffentlichkeit zu tun hatten. Die Seiten, die mit Gefühlen und mit Bindung umschrieben sind. Gefühle und Bindung zu anderen und zu sich selbst. Sie nimmt sich Zeit, die Trauer um den Verlust geliebter Menschen nochmal für sich in der Zeit zu durchleben, die sie dafür braucht und auch diesen geschützten Raum, fernab von den Anforderungen der Welt an sie und ihr gerne-in-der-Welt agieren, um sich den inneren Anteilen stellen.

Besonders berührt hat mich, wie sie eine Übung schildert, während der sie die Beziehung zu sich neu sucht und findet. In der ständigen Außenorientierung und der realen Schnelligkeit ihres Lebens, und schließlich noch verstärkt durch den Erschöpfungszustand, hatte sie ihren inneren Halt verloren. Die Bindung zu sich und die zu nahen, persönlichen Menschen entdeckte sie in einer gefühlten Weise. "Ich brauche Wurzeln (74)".

Es ist ein sehr persönlicher Ordnungs- und Verarbeitnsprozeß an dem Frau Meckel die Leser teilhaben lässt und doch enthält er nichts, was zu intim wäre. Nichts, was das Empfinden hinterlässt, das in anderen Berichten über das Buch durchschimmerte: sie macht auch daraus noch ein Projekt. Es ist ein sehr konstruktives Buch. Es lässt am Lösungsweg teilhaben.

Ich haben das Buch als ein Geschenk an ihre Generation gelesen: nimm Dich selbst früher wichtig!

Sollten Sie mehr zur Entstehung von Burnout erfahren wollen, so empfehle ich Ihnen zur Ergänzung noch das Buch von dem "Entdecker" des Burnouts dem Arzt und Psychologen Herbert Freudenberger: Burn-out bei Frauen: Über das Gefühl des Ausgebranntseins.

Samstag, 15. Mai 2010

Rezension: Claire Shipman und Katty Kay, Womenomics, Bestimmen Sie Ihre eigenen Erfolgsregeln


Gibt es eine Unterschiedlichkeit mit der Frauen und Männer an das Thema Arbeit und Karriere herangehen? Die Autorinnen meinen Ja durchaus - lesen Sie selbst!

Rezension: Claire Shipman und Katty Kay
Womenomics, Bestimmen Sie ihre eigenen Erfolgsregeln
Eichborn 3-2010

Welch ein Wort: Womenomics – ach, es geht um Frauen und um Ökonomie!


Die Autorinnen kennen das Buch von Gerald Hüther „Männer“ nicht, es ist ja parallel erschienen, doch das Wissen auf dem das Buch von Gerald Hüther basiert, ist schon länger bekannt, sowohl in Deutschland als auch in den USA. Doch es ist ein irritierendes Wissen: viele Frauen haben einen anderen Bezug zu ihrer Karriere als Männer. Für Männer ist der Beruf das Thema Nummer eins, das erst eine Familiengründung ermöglicht. Für Frauen gibt es zwei Prioritäten: Beruf und Familie und damit ein Dilemma.

Aus der durchaus berechtigten Sorge heraus, dass die Biologie gegen Frauen benutzt wird, haben auch Frauen selbst lang gezögert, diese Themen öffentlich zu machen. Auch den Autorinnen ging es so. Beide sind erfolgreiche Journalistinnen und Mütter. Ihr Anliegen ist es, beide Verantwortungsbereiche so zu verbinden, dass auch für sie selbst noch ein konstruktives Lebensgefühl besteht, nicht nur eine chronische Überforderung. Sie suchen einen Lösungsweg für ein Dilemma, mit dem sehr viele Frauen immer wieder zu tun haben und zunehmend auch mehr Männer: Karriere und Familie in einer konstruktiven, sich ergänzenden Form zu verbinden. Ihr Lösung ist eine neue Haltung: „Ja, ich will arbeiten und ich will kreativ, effizient und erfolgreich arbeiten. Aber ich will es zu meinen Bedingungen tun: mit flexiblen Arbeitszeiten, fairer Bezahlung und der Möglichkeit, eine vernünftige Balance zwischen Arbeit und Privatleben zu finden.“

Frauen haben sich und der Gesellschaft gezeigt, dass sie genauso leistungsfähig wie Männer sind. „Wir“ sind Bundeskanzlerin“ (Deutschland), Außenministerin (USA), um nur zwei Beispiele zu nennen. Doch zugleich ist immer mehr sichtbar, dass für viele, gerade best ausgebildete Frauen die Form der beruflichen Tätigkeit, der 16 Stundentag z.B. nicht wirklich attraktiv ist. Was die Autorinnen schildern, kann ich aus meiner Sicht auch für Deutschland nur bestätigen: Frauen gehen mittlerweile auf Karriereleitern nicht weiter nach oben, weil dort die Form der Arbeit unattraktiv für sie ist, nicht weil sie davon abgehalten werden.

Wieso ist das so? Das Interesse an Erfolg ist bei vielen Frauen ein wenig anders gelagert. Es gibt sehr maskulin ausgerichtete Frauen, ca. 20%, denen das männliche Erfolgsmodell entspricht und die sich darin aufgehoben fühlen und die auch diesen Weg der Priorität im Beruf gehen. Sehr feminin betonte Frauen machen die Karriere in der Familie, ca. 20%. Doch eine große Gruppe, die Mehrheit sucht einen „Weg dazwischen“, ein sowohl Erfolg im Beruf, als auch ein erfülltes Privatleben, eine Familie. Dazu gehört vor allem die Flexibilität in der Arbeitszeit um die beiden Bereich besser verbinden zu können. Dazu gehört auch eine beziehungsorientierte Komponente. Das Wissen darum, dass effizient zu arbeiten und sich wohlfühlen zusammen gehören können. Die Mitarbeiterführung von Frauen bringt schon heute sichtbare Steigerungen der Erträge. Diese besonderen Qualitäten wollen Frauen nicht nur gerne einbringen, sie wollen dafür auch geachtet, befördert und bezahlt werden.

Die Autorinnen haben ein leicht lesbares und gut recherchiertes Buch geschrieben. Beide sind erfolgreiche Profis und zugleich haben sie ihre eigenen persönlichen Erfahrungen reflektiert und einfließen lassen.

Es ist nicht nur eine Bestandsaufnahme und eine Faktensammlung, die das Buch so lesenwert machen. Außer dem Theorieblock, der spannend ist, ist es ein Ratgeber: es gibt viele Anregungen, wie das nun genau gehen kann und macht Mut, gleich das eine oder andere praktisch in den Arbeitsalltag umzusetzen. Denn die Zeit ist reif für Womenomics!

Gerade dadurch, dass es mittlerweile so viele sehr gut ausgebildete und motivierte Frauen gibt, besteht nach dem Gesetz der „Kritischen Masse“ auch die Möglichkeit, dass sich Frauen nicht nur an die Arbeitsstrukturen, die Männer für sich entwickelt haben, anpassen, sondern diese verändern und beeinflussen können. Wir leben in einer historisch erstmaligen Zeit, in der Frauen sich die Arbeitswelt nach ihren eigenen Wünschen gestalten können. Und sie gestalten sie damit auch für viele Männer, die nach neuen Lösungen in der Work-Life-Balance suchen. Konkrete erste Schritte sind gemacht, Frauen sind erfolgreich in ihrem beruflichen Leben, doch der eigentlich innovative Weg liegt noch vor uns: viel Spaß beim Lesen und dem aktiven Umsetzten!

Rezension Gerald Hüther: Männer, Das schwache Geschlecht und sein Gehirn







Die Erste Rezension auf diesem Blog beginnt mit einem männlichen Autor. Frauen und Männern wünsche ich viel Freue und Gewinn beim Lesen!


Rezension


Gerald Hüther

Männer, Das schwache Geschlecht und sein Gehirn

Vandenhoeck und Ruprecht, 2009


Im Wissen, dass Frauen insgesamt mehr Lesen und, das auch auf der Suche den Mann zu verstehen, sie sich für dieses Buch interessieren könnten, widmet der Autor den Frauen ein eigenes Kapitel mit der Bitte, das Buch auch Männern zugänglich zu machen. Was er nicht explizit schreibt und doch als Hoffnung durchschimmert: es ist kein Ratgeber für Frauen: wie erziehe ich meinen Mann, Kollegen oder Chef.

Wieso ist es mir dennoch Wert, dass Sie das Buch auf einer Seite zu Frauen und Karriere finden?
Es enthält interessante Informationen für Frauen über sich selbst und es enthält Informationen über Männer, die für Frauen zu Kennen sowohl beruflich, als auch privat ihren eigenen Handlungsraum erweitern können.

Zum Autor: Professor Hüther ist Neurobiologe und ein erfahrener und engagierter Forscher. Dieses Buch bündelt sein Wissen und zielt darauf, Männer zu motivieren ihr Potential für sich selbst zu entwickeln. Er macht das auf leicht geschriebene und allgemeinverständliche Weise. Dennoch schwingt für Kenner seiner bisherigen Bücher die ganze wissenschaftlich unterlegte Argumentation mit; es ist dicht und kompetent.

Eine Kernaussage: Die Biologie hat das weibliche und männliche und Frauen und Männer erfunden, weil sich Spezialisierung bewährt hat. Die Spezialisierung beruht darauf, dass ein Geschlechterpol für die Wahrung und Pflege der „bereits gefundenen und bewährten Überlebensstrategien“ spezialisiert ist. Der andere Pol „die Männchen dafür optimiert werden, besonders intensiv nach neuen Wegen und Strategien zu suchen, die eine Weiterentwicklung des Bestehenden, die Entwicklungfähigkeit und Anpassungsfähigkeit der Nachkommen an sich ändernde Lebensbedingungen ermöglichen. (s.47)“

Daraus ergibt sich eine unterschiedliche Begabungsbasis, die über die Geschlechtshormone gesteuert wird. Im konkreten Menschen zeigt sich das als „Interesse an…“ Das wiederum steuert die eigene Motivation zu Lernen.

Damit ist nicht gemeint, dass sämtliche Diskurse zu Gender hinfällig sind - im Gegenteil. Für die Einzelne Frau und den einzelnen Mann heute ist es ja gerade die Aufgabe mit der eigenen biologischen Basis, dem Körper und den sozialen Anforderungen und Möglichkeiten, die unsere offenen Gesellschaft biete, das Optimale zu entwickeln und zu realisieren, und das ist immer individuell. Hormonell gibt es unterschiedliche „Angebote“ in den Interessen. Realisiert wird das Leben aber über die Auseinandersetzung mit der realen Umwelt, den sozialen Beziehungen und dem aktiven Nutzen der „Angebote“, dem Lernen und dem aktiven Verhalten.

Was Hüther deutlich aufzeigt, dass genau das für Jungen und Männer gar nicht so einfach ist, wie sich das aus der Perspektive der Frau oft darstellt. Um nun als Frau den Kompromissen, die Männer zu ihrem eigenen Schaden machen, nicht aufzusitzen und sie zu idealisieren, ist das Buch eine sinnvolle Informationsquelle.

Männer sind biologisch extremer als Frauen: schwächer und stärker zugleich. Die Aufgabe ist es diese Extreme auszubalancieren. Das braucht die Fähigkeit sich zu zentrieren. Diese Aufgabe haben Frauen ebenso, doch ihre Begabungen machen es ihren leichter, wenn sie sie entwickeln, die Polarität von Bindung und Individuation zu bewältigen.

Die Schwäche ist, dass Jungen auf der Körperebene, konstitutionell verletzlicher als Mädchen sind. Das macht sie störanfälliger und vor allem angewiesener auf soziale Bindungen, die Halt geben. Zugleich ist die eigene Bindungsfähigkeit schwer mit der Seite der Stärke in Verbindung zu bringen.

Die Stärke liegt in der vor allem durch das Testosteron Hormon gesteuerte Spezialisierung hin zu einem Wesen, das sich immer wieder auf die Suche nach neuen Lösungen macht. Das erlebt der einzelne Mann als Suche nach Freiheit, Neuem, Abenteuer, Langweile gegenüber bereits Bekanntem.

Aus beiden Polen ergibt sich ein Dilemma, ein ständiger Spannungsherd zwischen Halt gebender Beziehung und einem risikohaften Leben, sowohl was den eigenen Körper als auch Beziehungen angeht.

Gerald Hüther ist sehr engagiert, um die Stärken von Männern für sie selbst nutzbar zu machen, ohne dabei die destruktiven Konsequenzen ausprägen zu müssen. Darüber hinaus gibt die Lektüre Anregungen für Frauen; mein Resümee nach der Lektüre:

Es ist für Frauen sinnvoll ihre eigenen Begabungsreserven zu kennen und zu nutzen und für deren Wertschätzung aktiv zu sorgen. Die liegen im Interesse an Personen und an der Integration von Neuem in das Alte.

Sowohl Weitblick zu haben, als auch fokussiert sein zu können, ist für Frauen und für Männer eine aktive Lebensaufgabe, die mit viel Übung erarbeitet werden kann! In der automatisierten biologischen Grundeinstellung bietet das weibliche Geschlechtshormon Weitblick, d.h. Vorsicht, Bindungskonsequenzen sehen und Detailgenauigkeit, das männliche Geschlechtshormon: Risikofreude (ohne Angst), Fokus auf ein neues Ziel (und Zerstörung von Bewährtem), Durchsetzungsfähigkeit und Aggression (und Beziehungsabbruch).

Es ist sinnvoll bei der Suche nach Karrieremöglichkeiten die maskulinen Strategien zu erkennen. Vor allem, dass es sich um Verhaltensanpassungen handelt, die mit ständiger Suche nach Neuem, Erobern, sich Behaupten und Durchsetzten zu tun haben. Diese haben Grenzen, nämlich Risiko ohne Rückbindungen einzugehen, Neues zu probieren, obwohl das Bewährte dabei zerstört wird, weil es schwer ist, dieses gleichzeitig im Focus der Aufmerksamkeit zu halten. Vielleicht entmystifiziert es Männer, weil ihre Grenzen verstehbar werden, aber es schafft auch mehr Wertschätzung für sie und hoffentlich für sich selbst als Frau.

Hier sehe ich die Chance für Frauen gerade im Bereich der Karriere und Führung: die Verbindung von Bewährtem und Neuem, von Bindung und Ziel orientiertem Verhalten und vor allem die Fähigkeit zur Selbstwahrnehmung und Selbststeuerung für sich und für das Unternehmen zu nutzten.

Willkommen auf meinem Blog!


Mit ein paar Worten stelle ich mich Ihnen gerne vor: Mein Name ist Barbara Hofmann-Huber. Meine Ausbildung ist Diplom-Pädagogin und Diplom-Psychologin. Ich bin Psychologische Psychotherapeutin mit den Schwerpunkten Tiefenpsychologie, analytischen Körperpsychotherapie und Verhaltenstherapie.

Mein Tätigkeitsspektrum ist weit gefasst: ich habe seit 1984 eine eigene Psychologische Praxis in Freiburg und arbeite im Coachingbüro Huber & Partner http://www.coachingbuero.de/ als Coach, Referentin und Trainerin und leite den Frauenschwerpunkt. Mit Einzelpersonen arbeite ich in den Bereichen Heilung, Persönlichkeitsentwicklung und Karrierebegleitung; mit Gruppen agiere ich durch Vorträge, Seminare und Prozessarbeit.

Lange bevor das Wort Gender nach Deutschland gekommen ist, habe ich mich für mein Frausein interessiert und dafür wie Entfaltungsmöglichkeit gelingen kann, wie der weibliche Blick sich mit Erfolg in Studium und Beruf verbinden lässt. "Für Frauen" war das Motto der Zeit und wurde meine Vision. An der Freien Universität Berlin wurde 1974 in einem interdisziplinären Seminar das erste Frauenstudium gestartet, mit mir als eine der Studentinnen. Seither habe ich mich persönlich und fachlich diesen Themen gewidmet.

Sowohl in der Theoriebildung als auch in der Suche nach der praktischen Umsetzung, habe ich mich fortlaufend weiter entwickelt und die gemachten Erfahrungen und mein Wissen in verschiedenen Formen weitergegeben. Sowohl Frauen als auch Männer haben mir immer wieder vermittelt, dass sie von meinen Erfahrungen Impulse für ihre eigene Entwicklung erhalten haben. Und so stellt dieser Blog die Möglichkeit dar, weitere Interessentinnen und Interessenten zu erreichen.

Mit diesem neuen Format möchte ich fortsetzten, was ich auf meiner Homepage
http://www.frauen-und-karriere.de/ begonnen habe: Information zu diesem Thema zur Verfügung zu stellen. Darüber hinaus bietet mir der Blog die Möglichkeit zum Austausch. Rückmeldung bekommen zu können und Anregung nicht nur zu geben, sondern auch selber zu erhalten, würde mich freuen.

Eine meiner Interessen ist Lesen. Das ständige Sichten von Büchern zu diesem Themenfeld, hat zu einer umfangreichen Liste von Rezensionen geführt, die noch immer auf der Homepage nachzulesen sind.

Neue Rezensionen werde ich ab sofort in diesem Blog veröffentlichen.

Ich freue mich auf einen regen Austausch

Ihre Barbara Hofmann-Huber