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Sonntag, 15. Januar 2012

Rezension Gudula Linck: Leib oder Körper



Rezension
Gudula Linck: Leib oder Körper
Mensch, Welt und Leben in der chinesischen
Philosophie

Verlag Karl Alber, Freiburg 2011
ISBN:978-3-495-48451-7








Die chinesische Philosophie ist über 2500 Jahrealt. Zugleich ist sie in dem alltäglichen Leben in Deutschland zunehmend gegenwärtig. Nicht nur in Form der chinesischen Küche, sondern vor allem in der chinesischen Medizin, ist sie Teil unseres Lebens geworden. Die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM), bestehend aus fünf Säulen: Akupunktur, Phytotherapie (Heilkräuter), Diätetik (Ernährungslehre), Qigong (Bewegungsübungen) und Massage, hat – wenn auch vielfach sehr verkürzt - ihren Platz in der Heilbehandlung gefunden. Doch was für ein Menschenbild zeichnet die chinesische Philosophie aus und steht hinter diesen Techniken?

In der westlichen Kultur ist uns die Trennung von Körper und Seele bekannt. In der Psychosomatik wird eine Verbindung zwischen dieser Dualität gesucht; mit dem Bindestrich in body-mind wird eine Klammer hergestellt, mit dem Ziel, den Menschen wieder mit sich in Verbindung zu bringen. Themen des Selbstmanagements erscheinen daher nicht nur im Begriff selbst oft technisch. Hier erweitert dieses Buch die Wahrnehmungsperspektive.

In der chinesischen Sicht des Menschen gibt es diese Dualität nicht. Es gibt Differenzierungen, aber keine Trennungen. Nicht der Gegenstand: Körper, steht im Mittelpunkt der Erkenntnis, sondern der gespürte Leib, das Empfinden, das Erfahren des eigenen Erlebens. Es ist eine ganzheitliche Wahrnehmung, nicht nur des individuellen Menschen, sondern auch des Menschen in Verbindung mit seiner natürlichen und sozialen Umwelt. Diese Differenzierungen bilden ein sehr komplexes System von gegenseitigen sich bedingenden Wirkungszusammenhängen. Diese sind von der Autorin auf anschauliche Weise beschrieben. Die TCM, als eine Ganzheits- oder besser Resonanzmedizin ist nur ein Aspekt der komplexen Mensch- und Welterkenntnis der chinesischen Philosophie. Diese setzt das philosophische Wissen erfolgreich in Behandlungen um. Das eigentliche Ziel ist dabei: die Balance, die Herstellung von Harmonie.

Ein Anliegen der Autorin, em. Professorin für Sinologie, ist es diese Sicht auf den Menschen und die Welt mit den Lesern zu teilen. Das Eintauschen in die Muster „der Selbst- und Weltwahrnehmung“ in der chinesischen Kultur ermöglicht Frau Professor Linck den Interessierten durch eine sehr anschauliche und gut zu lesende Schreibweise. Es ist ein Heranführen an einen für das europäisch geprägte Denken neuen Weg der Erkenntnis.

Sie erklärt schrittweise Begriffe, Gedankenstränge, und sie bleibt bei der Komplexität des Gegenstandes nicht abstrakt. Auch das zeichnet die chinesische Philosophie aus: Sie ist auf eine Weise individuell und übergreifend (gesellschaftlich und kosmologisch) zugleich. Durch die immanente Verbindung der inneren Harmonie des einzelnen mit der inneren Harmonie des Kosmos ist die Art und Weise der Verbundenheit immer wieder Gegenstand der Aufmerksamkeit.

Das Buch spannt einen weiten Bogen bei diesem sehr komplexen Thema. Die über Jahrzehnte erworbenen theoretischen Kenntnisse und das Erfahrungswissen der Autorin schimmern immer wieder durch. Es ist sicher für die sinologische Welt ein Gewinn, dass Frau Professor Linck die bereits 2001 erschiene erste Fassung nochmals aktualisiert und überarbeitet hat. Das ausführliche Literaturverzeichnis, das Register, hunderte Anmerkungen zeigen das hohe Niveau des 350 Seiten umfassenden Werkes.

Drei Teile umfasst das Buch:
- Leib und Körper Hier werden u.a. die Konzepte des Qi, von Yin und Yang, deren Wandlungen und dem Herz als zentralem Herrscher, als "zentralem Regungsherd" beschrieben.
- Leib und Gefühl Der atmosphärische Gehalt des Erlebens und damit die enge Verbindung des einzelnen mit der Welt ist eine neue Sicht, die zu entdecken lohnt.
- Mensch und Welt In der chinesischen Philosophie wird der Mensch als Mikro-Kosmos in einer umfassenden Weise wahrgenommen, die hier dargelegt wird.

Mich hat dieses Buch sehr begeistert, und so wünsche ich, dass es nicht nur von einer kleinen Expertengruppe gelesen wird. Denn geschrieben ist es ebenso für Menschen, die auf der Suche nach innerer Balance und Harmonie, auf der Suche nach einer leibhafter Selbststrukturierung, aus der Erfahrung dieser alten Kultur und ihrer zeitlosen Weisheit schöpfen möchten.

Samstag, 19. Juni 2010

Frauenseminare – was ermöglichen sie Frauen auf ihrem Weg in die Führungsverantwortung?

Das Interesse an der Karriere hin zur Führungsverantwortung ist nicht nur bei Frauen selbst sehr groß, sondern findet auch in den Unternehmen immer mehr Resonanz. Wie der Weg aussehen kann, Frauen in Führung zu begleiten, zu ermuntern, zu fördern, zu motivieren, darüber gibt es sehr unterschiedliche Auffassungen. Frauen zu fördern, ist das noch zeitgemäß? Ist es nicht selbst an der Frau, wenn sie gut ist, auch alleine eine Führungsposition zu erobern? Für Männer ist ein unterstützendes Netzwerk auch kein Hinderungsgrund. Es besteht für sie kein Gegensatz zwischen dem, Kontakte zu nutzten und zu meinen, dass sie es selbst durch ihre Leistung in die Position geschafft haben. Den Weg in die Führungsposition ganz alleine zu bewältigen, kann, muss aber nicht sinnvoll sein. Ich meine, dass es sich Frauen nicht schwerer machen müssen, als es eh schon ist, indem sie sich zu viel Alleingang abverlangen. Vor allem, da Führen auch etwas mit Teamplay zu tun hat. Wenn sich eine Frau zu sehr als Einzelkämpferin profiliert hat, dann stellt das ihre Vorbildfunktion als Leitfigur, als Alphatier, häufig in Frage. Es ist also eines der vielen Dilemmata, mit denen Frauen nicht erst in der Führungsposition, sondern schon auf dem Weg dahin zu tun haben.

Mentoring, Quote, Netzwerken, Coaching, was ist der richtige Weg? Ich bin der Meinung, den gibt es nicht. Es gibt sehr viele unterschiedliche, sich ergänzende Wege. Sind Frauenseminare ein Weg? Ich meine: Ja! Solche Veranstaltungen, in denen Frauen unter sich ihre Erfahrungen austauchen, reflektieren und sich auf diese Weise für die Verantwortung zu Führen bereit machen. Denn ein Austausch unter Frauen ermöglicht es, die besonderen Kompetenzen und Begabungen von Frauen heraus zu arbeiten und dadurch nutzbar zu machen.

Die Kenntnis der von Männern entwickelten Führungskultur, ist für Frauen zwar wesentlich, um in der eigenen Kompetenz wahrgenommen zu werden und in den entsprechenden Ritualen agieren zu können. Dabei jedoch stehen zu bleiben, ist nicht nur unbefriedigend, sondern fällt auch hinter die aktuelle Führungsdiskussion zurück. Die Werkzeuge der Führung flexibel anzuwenden ist heute, in der sich ständig verändernden beruflichen Umwelt, die zentrale Kompetenz. Das kann nur gelingen, wenn die eigene Persönlichkeit eine flexible Haltung und damit eine, der jeweiligen Situation angemessene Anpassung und zugleich Handlungsfähigkeit ermöglicht.

Genau in diesem Bereich liegt nun die zentrale Kompetenz von Frauen: das Interesse an Personen und an nachhaltigen sachlichen Erfolgen. Anders gesagt, die Verbindung von IQ und EQ, von Sachkompetenz und Beziehungsintelligenz. Dazu gehört auch die eigene Person und deren bestmögliche Entwicklung. Erlebt wird das vielleicht als Anpassungsfähigkeit. Doch es ist darüber hinaus die Kompetenz, sich auf die sich ständig ändernde Welt, und sowohl auf Sachanforderungen, als auch auf andere Menschen einstellen zu können. Kommunikationsfähigkeit, Beziehungsorientiertheit, Flexibilität und Organisationstalent, die Verbindung von Kurz- und langfristigen Sachzielen – diese Komplexität zu bewältigen und in zielführendes Handeln umsetzen zu können, gelingt mit einem sichern inneren Halt. Diese Stabilität und Verwurzelung in der eigenen Persönlichkeit ist auch notwendig, um sie mit Kritikfähigkeit, Konfliktkompetenz und Durchsetzungsvermögen verbinden zu können.

Führen bedeutet, wie Sie sicher wissen, der Umgang mit Dilemmata. Der alltägliche und ständige Aufenthalt in einem Spannungsfeld. Es gilt die Balance zu finden zwischen der privaten Person und der beruflichen Rolle. Jedoch auch innerhalb der Führungsrolle ist es eine ständige Herausforderung, die Spannung zwischen der Führungsfrau und ihren Mitarbeiten und dem Umgang mit den eigenen Vorgesetzten, sowie der zwischen den internen und den externen Kunden zu bewältigen. Komplexitätskompetenz ist gefragt!

Vor allem ist die Fähigkeit, Einsamkeit konstruktiv zu nutzen wesentlich. Da viele Frauen sehr beziehungsorientiert sind, ist gerade die Regulierung der Einsamkeit eine sehr große Herausforderung. Wie dies anderen Frauen erleben und wie sie damit umgehen, das ist ein spannendes Thema in einer Veranstaltung wie einem Frauenseminar. Meine Erfahrung als Trainerin ist, dass sich Frauen durch den Austausch darüber sehr bestärkt fühlen. Nicht zuletzt entstehen, wenn Vertrauen erlebt wird, dadurch auch über die Gruppenzeit hinausgehende stärkende Kontakte. Das Ziel eines solchen Seminars ist es, dass die Teilnehmerinnen ihren eigenen, persönlichen Stil als Führungsfrau weiter entwickeln. Dieser situative und flexible Führungsstil bildet die Basis, auf der Führungsintrumente und Techniken zielführend und nachhaltig wirkend, eingesetzt werden können. Darin zeigt sich die heute moderne Führungskompetenz.

Dieses komplexe Verständnis über den Weg in die Führung, habe ich gerne mit Ihnen geteilt.