Brené Brown
Verletzlichkeit macht stark
Wie wir unsere Schutzmechanismen
aufgeben und
innerlich reich werden
Verlag Kailash, München 2013
ISBN:978-3-424-63079-4
Die Autorin ist eine Pionierin in der US-Amerikanischen Forschung über Verletzlichkeit, Scham und Authentizität. Das Werk gibt, anschaulich
geschrieben, die Ergebnisse ihrer qualitativen Studien wieder. Es ist spannend zu
lesen, voller alltäglicher Beispiele und erzeugt daher einen Erkenntnisgewinn.
Dennoch ist es kein Ratgeber. Vielmehr schafft es die Autorin einen Einblick in
die Schutzmechanismen zu geben, die wir im Laufe unseres Erwachsenwerdens
entwickeln. Zugleich möchte sie uns motivieren und ermutigen, diese aufzulösen.
Denn nur, indem wir uns für andere Menschen und dem Erleben von Nähe öffnen,
können wir vollumfänglich fühlen, präsent sein, genießen. Nur so finden wir Zugang zu unserer Freude,
Kraft und Kreativität.
Was daran hindert, sich verletzlich zu zeigen, ist
das Gefühl von Scham. Diese ist vor allem mit dem Empfinden von „ausgeschlossen
sein“ und dem Gefühl, „es nicht wert zu sein, in einer Gemeinschaft dazu zu
gehören“ verbunden. Damit geht der Druck einher, sich an die Normen der
Gemeinschaft anzupassen. „So machen wir das hier“, nennt sie die Kultur
(s.209), die sich als gesellschaftliche, familiäre, oder Unternehmenskultur
zeigen kann.
Es geht bei diesen Themen darum, den Mut zu
entwickeln, zu dem zu stehen, wie wir sind. Nur so erleben wir das Gefühl von
Zugehörigkeit, das sich nicht an unserer Leistung festmacht, sondern an dem
eigenen Wesen. Achtsamkeit,
Selbstmitgefühl
und Empathie
sind wichtige Werkzeuge für diesen Weg der Selbstkultivierung. Durch den Mut zur
Offenheit uns selbst gegenüber finden wir die Fülle und den Reichtum, der in
unserem Potential angelegt ist. Durch das Vertrauen zu anderen Menschen lassen
wir sie an unserm Inneren teilhaben und schenken das tiefste an Begegnung, zu
dem wir fähig sind.
Ich habe das Buch mit viel Interesse, jedoch auch
Nachdenklichkeit gelesen. Wie gerne würde ich Ihnen den Mut vermitteln, wie es
die Autorin tut. Ich kann es jedoch nur mit einem Hinweis auf die konkrete
Lebensrealität in der sie Leben und Arbeiten. Gerade, weil es mir selbst ein
großes Anliegen ist und ich es sehr genieße diese Verletzlichkeit in meinem Leben
zu praktizieren, bin ich mir zugleich sehr bewusst: ich lebe in einer
Gesellschaft, in der z.B. Blogger nicht in Gefahr sind, in der die freie
Meinungsäußerung geschützt ist und in der auch mehr und mehr ein respektvoller
Umgang innerhalb der beruflichen Welt gelebt wird. Ich weiß, dass es nicht nur
die Arbeit an mir und den persönlichen Mut braucht, um Verletzlichkeit zu
leben; es bedarf auch eines flexiblen und situationsadäquaten,
selbstgesteuerten Selbstschutzes.

