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Samstag, 27. April 2013

Rezension, Dorothea Assig und Dorothea Echter: Ambition - Wie große Karrieren gelingen


Rezension


 
Dorothea Assig und Dorothea Echter

Ambition
Wie große Karrieren gelingen

Erstausgabe März 2012

Campus Verlag ISBN 978-3-359-39585-2
 
 
 
Zwei erfahrene Beraterinnen haben ihr professionelles Wissen in diesem Buch zusammengeführt. Sie entwickelten ein Modell, das die Komplexität ihres Wirkens in eine scheinbar einfache Form bringt. Es ist ein dichtes Buch und zugleich sehr anschaulich und nachvollziehbar geschrieben. Von Frauen, die ihre eigene Ambition leben wollen, wird es als unterstützend erlebt, von Profis im selben Kompetenzfeld, wie mir, mit Interesse und Respekt zur Kenntnis genommen.
 

Ambition ist ein energetisches Zentrum, eine immense innere Kraft, eine Quelle des Antriebs. Es ist das, was einen Menschen motiviert, begeistert, was sich schon früh zeigen kann, als ein Bedürfnis nach Selbstausdruck, etwas das zu tun keine Zeitgrenzen kennt. Es ist der innere Motor. Es ist das, was ein Mensch geben will, wofür sie oder er „brennt“. Die Karriere ist das Ergebnis. Allein dies erklären die Autorinnen so  nachvollziehbar und das macht das Buch bereits lesenswert. Denn anders als viele Bücher zu Coaching und Selbstmanagement, geht es den Autorinnen nicht um kleine äußere Rezepte. Sie räumen mit vielen Irrtümern zu Karrierewegen auf.  

Durch die Frage nach der Ambition, erkennen sie den inneren Antrieb in der Person. Sie Fragen nach der Quelle, aus der die Energie sich immer wieder speist, die eine Voraussetzung für ein Gelingen einer großen Karriere ist. Die Quelle, die beharrliches Üben ermöglicht, weil es Sinn macht, gefühlten, erlebten Sinn, der viel Energie freisetzt, den kein Anspruch an sich und kein Druck von außen in der Konstanz erzeugen kann. 

Ihre Arbeit als Beraterinnen beginnt damit, Menschen in Kontakt mit dieser Quelle zu bringen, oder sie darin zu bestärken ihr zu vertrauen. Denn so eine starke innere, antreibende Kraft macht auch Angst, schürt Zweifel: „Bilde ich mir das alles ein?“ Trotz des Zweifels, was die eigene Begabung anbetrifft weiter zu üben, ist ein erster Hinderungsschritt, der überwunden werden will. Zentrale Widerstände und Hemmnisse für Erfolg, verorten die Autorinnen in der Person. Denn Menschen haben nicht nur die Sehnsucht erfolgreich zu sein, sondern eine ebensolche Angst davor. Daher ist ein weiterer Schritt, sich selbst für den Erfolg zu öffnen. Der eigenen Gabe Aufmerksamkeit zu schenken, sie dadurch erfassen, benennen, sich darin üben zu können, das sind weitere Schritte. Doch es gibt immer wieder Krisen, die zu Selbstzweifeln führen. Deren Sinn als Lernfeld zu erkennen und zu nutzten, das bedarf einer kompetenten Begleitung.  

Sich eine angemessene Bühne für das eigenen Können zu suchen, sich in ein Umfeld zu begeben, das die Kompetenz sieht, achtet und zugleich herausfordert, sind weitere Stationen. Diese müssen Maßgeschneidert für die Ambition gesucht und gestaltet werden. Denn so individuell, wie die eigene, einzigartige Begabung ist, so sehr ist der Weg der einer Pionierin, eines Pioniers. Der Weg der Karriere ist nicht vorgezeichnet, er muss gesucht werden. 

Die Autorinnen differenzieren weiter die Dimensionen: Karriere aufbauen, stabileren und die Vollendung. Auch in diesen Dimensionen wirken die vier Ebenen ineinander: die Stabilisierung der Psyche, Positive Resonanz erzeugen, die eigene Bühne schaffen und das Können (weiter) zu entwickeln. Es ist ein komplexer Prozess, der immer wieder eine neue Ausrichtung bedarf, jedoch nicht linear verläuft. Es ist ein Wachstums- und Entwicklungsprozess, der sich entfaltenden persönlichen Begabung und Reifung einer Person, in einer sich wandelnden Außenwelt. 

Natürlich sehen wir im Alltag immer wieder erfolgreiche Menschen, die öffentlich sichtbar wurden, auch ohne innere Vorbereitung. Doch es gibt viele, deren Karriere stockt, die sich nicht heraus wagen und solche, die sich damit überfordern. Gerade dort wo wir Karriere sehen können, vor allem im Showbusiness oder in der Politik, gibt es immer wieder Menschen, die daran scheitern, bzw. deren Scheitern wir sehen. Gründe sind, dass sie den Erfolg nicht halten können, weil sie zu einsam darin sind, weil die Spannung zwischen der „normalen Alltagsperson“ und der „erfolgreichen öffentlichen Person“ ein unüberbrückbares Spannungsfeld bilden. Die Folgen sehen wir an einem „abheben“, an ihren Suchtproblemen oder gar Suiziden.
 
Erfolg braucht eine solide innere psychische Basis. Es ist ein Fundament, das Schritt für Schritt entwickelt wird, um die einzigartige Begabung in eine erfolgreiche Karriere zu transformieren, die die Person halten und genießen kann. 

Die Autorinnen beleuchten auf 300 Seiten, die vielfältigen Aspekte ihres Modells gründlich. Deutlich wird: es geht bei der erfolgreichen Karriere sowohl um Handeln, als auch um Reifen – denn je tiefer die Wurzeln in die eigene Persönlichkeit hineinreichen, umso intensiver braucht es Zeit bis die einzelnen Themen erlebt, erfahren, entwickelt sind. Dieses Buch ist ein sehr Besonderes, weil es tiefgründig und zugleich handlungsleitend ist. Vor allem aber, weil es Komplexität nicht vereinfacht und trivialisiert, sondern Mut macht, sich dem Leben zu stellen und die eigene Ambition schrittweise zur Entfaltung zu bringen.

 

Sonntag, 15. Januar 2012

Rezension Gudula Linck: Leib oder Körper



Rezension
Gudula Linck: Leib oder Körper
Mensch, Welt und Leben in der chinesischen
Philosophie

Verlag Karl Alber, Freiburg 2011
ISBN:978-3-495-48451-7








Die chinesische Philosophie ist über 2500 Jahrealt. Zugleich ist sie in dem alltäglichen Leben in Deutschland zunehmend gegenwärtig. Nicht nur in Form der chinesischen Küche, sondern vor allem in der chinesischen Medizin, ist sie Teil unseres Lebens geworden. Die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM), bestehend aus fünf Säulen: Akupunktur, Phytotherapie (Heilkräuter), Diätetik (Ernährungslehre), Qigong (Bewegungsübungen) und Massage, hat – wenn auch vielfach sehr verkürzt - ihren Platz in der Heilbehandlung gefunden. Doch was für ein Menschenbild zeichnet die chinesische Philosophie aus und steht hinter diesen Techniken?

In der westlichen Kultur ist uns die Trennung von Körper und Seele bekannt. In der Psychosomatik wird eine Verbindung zwischen dieser Dualität gesucht; mit dem Bindestrich in body-mind wird eine Klammer hergestellt, mit dem Ziel, den Menschen wieder mit sich in Verbindung zu bringen. Themen des Selbstmanagements erscheinen daher nicht nur im Begriff selbst oft technisch. Hier erweitert dieses Buch die Wahrnehmungsperspektive.

In der chinesischen Sicht des Menschen gibt es diese Dualität nicht. Es gibt Differenzierungen, aber keine Trennungen. Nicht der Gegenstand: Körper, steht im Mittelpunkt der Erkenntnis, sondern der gespürte Leib, das Empfinden, das Erfahren des eigenen Erlebens. Es ist eine ganzheitliche Wahrnehmung, nicht nur des individuellen Menschen, sondern auch des Menschen in Verbindung mit seiner natürlichen und sozialen Umwelt. Diese Differenzierungen bilden ein sehr komplexes System von gegenseitigen sich bedingenden Wirkungszusammenhängen. Diese sind von der Autorin auf anschauliche Weise beschrieben. Die TCM, als eine Ganzheits- oder besser Resonanzmedizin ist nur ein Aspekt der komplexen Mensch- und Welterkenntnis der chinesischen Philosophie. Diese setzt das philosophische Wissen erfolgreich in Behandlungen um. Das eigentliche Ziel ist dabei: die Balance, die Herstellung von Harmonie.

Ein Anliegen der Autorin, em. Professorin für Sinologie, ist es diese Sicht auf den Menschen und die Welt mit den Lesern zu teilen. Das Eintauschen in die Muster „der Selbst- und Weltwahrnehmung“ in der chinesischen Kultur ermöglicht Frau Professor Linck den Interessierten durch eine sehr anschauliche und gut zu lesende Schreibweise. Es ist ein Heranführen an einen für das europäisch geprägte Denken neuen Weg der Erkenntnis.

Sie erklärt schrittweise Begriffe, Gedankenstränge, und sie bleibt bei der Komplexität des Gegenstandes nicht abstrakt. Auch das zeichnet die chinesische Philosophie aus: Sie ist auf eine Weise individuell und übergreifend (gesellschaftlich und kosmologisch) zugleich. Durch die immanente Verbindung der inneren Harmonie des einzelnen mit der inneren Harmonie des Kosmos ist die Art und Weise der Verbundenheit immer wieder Gegenstand der Aufmerksamkeit.

Das Buch spannt einen weiten Bogen bei diesem sehr komplexen Thema. Die über Jahrzehnte erworbenen theoretischen Kenntnisse und das Erfahrungswissen der Autorin schimmern immer wieder durch. Es ist sicher für die sinologische Welt ein Gewinn, dass Frau Professor Linck die bereits 2001 erschiene erste Fassung nochmals aktualisiert und überarbeitet hat. Das ausführliche Literaturverzeichnis, das Register, hunderte Anmerkungen zeigen das hohe Niveau des 350 Seiten umfassenden Werkes.

Drei Teile umfasst das Buch:
- Leib und Körper Hier werden u.a. die Konzepte des Qi, von Yin und Yang, deren Wandlungen und dem Herz als zentralem Herrscher, als "zentralem Regungsherd" beschrieben.
- Leib und Gefühl Der atmosphärische Gehalt des Erlebens und damit die enge Verbindung des einzelnen mit der Welt ist eine neue Sicht, die zu entdecken lohnt.
- Mensch und Welt In der chinesischen Philosophie wird der Mensch als Mikro-Kosmos in einer umfassenden Weise wahrgenommen, die hier dargelegt wird.

Mich hat dieses Buch sehr begeistert, und so wünsche ich, dass es nicht nur von einer kleinen Expertengruppe gelesen wird. Denn geschrieben ist es ebenso für Menschen, die auf der Suche nach innerer Balance und Harmonie, auf der Suche nach einer leibhafter Selbststrukturierung, aus der Erfahrung dieser alten Kultur und ihrer zeitlosen Weisheit schöpfen möchten.

Samstag, 15. Mai 2010

Rezension: Claire Shipman und Katty Kay, Womenomics, Bestimmen Sie Ihre eigenen Erfolgsregeln


Gibt es eine Unterschiedlichkeit mit der Frauen und Männer an das Thema Arbeit und Karriere herangehen? Die Autorinnen meinen Ja durchaus - lesen Sie selbst!

Rezension: Claire Shipman und Katty Kay
Womenomics, Bestimmen Sie ihre eigenen Erfolgsregeln
Eichborn 3-2010

Welch ein Wort: Womenomics – ach, es geht um Frauen und um Ökonomie!


Die Autorinnen kennen das Buch von Gerald Hüther „Männer“ nicht, es ist ja parallel erschienen, doch das Wissen auf dem das Buch von Gerald Hüther basiert, ist schon länger bekannt, sowohl in Deutschland als auch in den USA. Doch es ist ein irritierendes Wissen: viele Frauen haben einen anderen Bezug zu ihrer Karriere als Männer. Für Männer ist der Beruf das Thema Nummer eins, das erst eine Familiengründung ermöglicht. Für Frauen gibt es zwei Prioritäten: Beruf und Familie und damit ein Dilemma.

Aus der durchaus berechtigten Sorge heraus, dass die Biologie gegen Frauen benutzt wird, haben auch Frauen selbst lang gezögert, diese Themen öffentlich zu machen. Auch den Autorinnen ging es so. Beide sind erfolgreiche Journalistinnen und Mütter. Ihr Anliegen ist es, beide Verantwortungsbereiche so zu verbinden, dass auch für sie selbst noch ein konstruktives Lebensgefühl besteht, nicht nur eine chronische Überforderung. Sie suchen einen Lösungsweg für ein Dilemma, mit dem sehr viele Frauen immer wieder zu tun haben und zunehmend auch mehr Männer: Karriere und Familie in einer konstruktiven, sich ergänzenden Form zu verbinden. Ihr Lösung ist eine neue Haltung: „Ja, ich will arbeiten und ich will kreativ, effizient und erfolgreich arbeiten. Aber ich will es zu meinen Bedingungen tun: mit flexiblen Arbeitszeiten, fairer Bezahlung und der Möglichkeit, eine vernünftige Balance zwischen Arbeit und Privatleben zu finden.“

Frauen haben sich und der Gesellschaft gezeigt, dass sie genauso leistungsfähig wie Männer sind. „Wir“ sind Bundeskanzlerin“ (Deutschland), Außenministerin (USA), um nur zwei Beispiele zu nennen. Doch zugleich ist immer mehr sichtbar, dass für viele, gerade best ausgebildete Frauen die Form der beruflichen Tätigkeit, der 16 Stundentag z.B. nicht wirklich attraktiv ist. Was die Autorinnen schildern, kann ich aus meiner Sicht auch für Deutschland nur bestätigen: Frauen gehen mittlerweile auf Karriereleitern nicht weiter nach oben, weil dort die Form der Arbeit unattraktiv für sie ist, nicht weil sie davon abgehalten werden.

Wieso ist das so? Das Interesse an Erfolg ist bei vielen Frauen ein wenig anders gelagert. Es gibt sehr maskulin ausgerichtete Frauen, ca. 20%, denen das männliche Erfolgsmodell entspricht und die sich darin aufgehoben fühlen und die auch diesen Weg der Priorität im Beruf gehen. Sehr feminin betonte Frauen machen die Karriere in der Familie, ca. 20%. Doch eine große Gruppe, die Mehrheit sucht einen „Weg dazwischen“, ein sowohl Erfolg im Beruf, als auch ein erfülltes Privatleben, eine Familie. Dazu gehört vor allem die Flexibilität in der Arbeitszeit um die beiden Bereich besser verbinden zu können. Dazu gehört auch eine beziehungsorientierte Komponente. Das Wissen darum, dass effizient zu arbeiten und sich wohlfühlen zusammen gehören können. Die Mitarbeiterführung von Frauen bringt schon heute sichtbare Steigerungen der Erträge. Diese besonderen Qualitäten wollen Frauen nicht nur gerne einbringen, sie wollen dafür auch geachtet, befördert und bezahlt werden.

Die Autorinnen haben ein leicht lesbares und gut recherchiertes Buch geschrieben. Beide sind erfolgreiche Profis und zugleich haben sie ihre eigenen persönlichen Erfahrungen reflektiert und einfließen lassen.

Es ist nicht nur eine Bestandsaufnahme und eine Faktensammlung, die das Buch so lesenwert machen. Außer dem Theorieblock, der spannend ist, ist es ein Ratgeber: es gibt viele Anregungen, wie das nun genau gehen kann und macht Mut, gleich das eine oder andere praktisch in den Arbeitsalltag umzusetzen. Denn die Zeit ist reif für Womenomics!

Gerade dadurch, dass es mittlerweile so viele sehr gut ausgebildete und motivierte Frauen gibt, besteht nach dem Gesetz der „Kritischen Masse“ auch die Möglichkeit, dass sich Frauen nicht nur an die Arbeitsstrukturen, die Männer für sich entwickelt haben, anpassen, sondern diese verändern und beeinflussen können. Wir leben in einer historisch erstmaligen Zeit, in der Frauen sich die Arbeitswelt nach ihren eigenen Wünschen gestalten können. Und sie gestalten sie damit auch für viele Männer, die nach neuen Lösungen in der Work-Life-Balance suchen. Konkrete erste Schritte sind gemacht, Frauen sind erfolgreich in ihrem beruflichen Leben, doch der eigentlich innovative Weg liegt noch vor uns: viel Spaß beim Lesen und dem aktiven Umsetzten!

Rezension Gerald Hüther: Männer, Das schwache Geschlecht und sein Gehirn







Die Erste Rezension auf diesem Blog beginnt mit einem männlichen Autor. Frauen und Männern wünsche ich viel Freue und Gewinn beim Lesen!


Rezension


Gerald Hüther

Männer, Das schwache Geschlecht und sein Gehirn

Vandenhoeck und Ruprecht, 2009


Im Wissen, dass Frauen insgesamt mehr Lesen und, das auch auf der Suche den Mann zu verstehen, sie sich für dieses Buch interessieren könnten, widmet der Autor den Frauen ein eigenes Kapitel mit der Bitte, das Buch auch Männern zugänglich zu machen. Was er nicht explizit schreibt und doch als Hoffnung durchschimmert: es ist kein Ratgeber für Frauen: wie erziehe ich meinen Mann, Kollegen oder Chef.

Wieso ist es mir dennoch Wert, dass Sie das Buch auf einer Seite zu Frauen und Karriere finden?
Es enthält interessante Informationen für Frauen über sich selbst und es enthält Informationen über Männer, die für Frauen zu Kennen sowohl beruflich, als auch privat ihren eigenen Handlungsraum erweitern können.

Zum Autor: Professor Hüther ist Neurobiologe und ein erfahrener und engagierter Forscher. Dieses Buch bündelt sein Wissen und zielt darauf, Männer zu motivieren ihr Potential für sich selbst zu entwickeln. Er macht das auf leicht geschriebene und allgemeinverständliche Weise. Dennoch schwingt für Kenner seiner bisherigen Bücher die ganze wissenschaftlich unterlegte Argumentation mit; es ist dicht und kompetent.

Eine Kernaussage: Die Biologie hat das weibliche und männliche und Frauen und Männer erfunden, weil sich Spezialisierung bewährt hat. Die Spezialisierung beruht darauf, dass ein Geschlechterpol für die Wahrung und Pflege der „bereits gefundenen und bewährten Überlebensstrategien“ spezialisiert ist. Der andere Pol „die Männchen dafür optimiert werden, besonders intensiv nach neuen Wegen und Strategien zu suchen, die eine Weiterentwicklung des Bestehenden, die Entwicklungfähigkeit und Anpassungsfähigkeit der Nachkommen an sich ändernde Lebensbedingungen ermöglichen. (s.47)“

Daraus ergibt sich eine unterschiedliche Begabungsbasis, die über die Geschlechtshormone gesteuert wird. Im konkreten Menschen zeigt sich das als „Interesse an…“ Das wiederum steuert die eigene Motivation zu Lernen.

Damit ist nicht gemeint, dass sämtliche Diskurse zu Gender hinfällig sind - im Gegenteil. Für die Einzelne Frau und den einzelnen Mann heute ist es ja gerade die Aufgabe mit der eigenen biologischen Basis, dem Körper und den sozialen Anforderungen und Möglichkeiten, die unsere offenen Gesellschaft biete, das Optimale zu entwickeln und zu realisieren, und das ist immer individuell. Hormonell gibt es unterschiedliche „Angebote“ in den Interessen. Realisiert wird das Leben aber über die Auseinandersetzung mit der realen Umwelt, den sozialen Beziehungen und dem aktiven Nutzen der „Angebote“, dem Lernen und dem aktiven Verhalten.

Was Hüther deutlich aufzeigt, dass genau das für Jungen und Männer gar nicht so einfach ist, wie sich das aus der Perspektive der Frau oft darstellt. Um nun als Frau den Kompromissen, die Männer zu ihrem eigenen Schaden machen, nicht aufzusitzen und sie zu idealisieren, ist das Buch eine sinnvolle Informationsquelle.

Männer sind biologisch extremer als Frauen: schwächer und stärker zugleich. Die Aufgabe ist es diese Extreme auszubalancieren. Das braucht die Fähigkeit sich zu zentrieren. Diese Aufgabe haben Frauen ebenso, doch ihre Begabungen machen es ihren leichter, wenn sie sie entwickeln, die Polarität von Bindung und Individuation zu bewältigen.

Die Schwäche ist, dass Jungen auf der Körperebene, konstitutionell verletzlicher als Mädchen sind. Das macht sie störanfälliger und vor allem angewiesener auf soziale Bindungen, die Halt geben. Zugleich ist die eigene Bindungsfähigkeit schwer mit der Seite der Stärke in Verbindung zu bringen.

Die Stärke liegt in der vor allem durch das Testosteron Hormon gesteuerte Spezialisierung hin zu einem Wesen, das sich immer wieder auf die Suche nach neuen Lösungen macht. Das erlebt der einzelne Mann als Suche nach Freiheit, Neuem, Abenteuer, Langweile gegenüber bereits Bekanntem.

Aus beiden Polen ergibt sich ein Dilemma, ein ständiger Spannungsherd zwischen Halt gebender Beziehung und einem risikohaften Leben, sowohl was den eigenen Körper als auch Beziehungen angeht.

Gerald Hüther ist sehr engagiert, um die Stärken von Männern für sie selbst nutzbar zu machen, ohne dabei die destruktiven Konsequenzen ausprägen zu müssen. Darüber hinaus gibt die Lektüre Anregungen für Frauen; mein Resümee nach der Lektüre:

Es ist für Frauen sinnvoll ihre eigenen Begabungsreserven zu kennen und zu nutzen und für deren Wertschätzung aktiv zu sorgen. Die liegen im Interesse an Personen und an der Integration von Neuem in das Alte.

Sowohl Weitblick zu haben, als auch fokussiert sein zu können, ist für Frauen und für Männer eine aktive Lebensaufgabe, die mit viel Übung erarbeitet werden kann! In der automatisierten biologischen Grundeinstellung bietet das weibliche Geschlechtshormon Weitblick, d.h. Vorsicht, Bindungskonsequenzen sehen und Detailgenauigkeit, das männliche Geschlechtshormon: Risikofreude (ohne Angst), Fokus auf ein neues Ziel (und Zerstörung von Bewährtem), Durchsetzungsfähigkeit und Aggression (und Beziehungsabbruch).

Es ist sinnvoll bei der Suche nach Karrieremöglichkeiten die maskulinen Strategien zu erkennen. Vor allem, dass es sich um Verhaltensanpassungen handelt, die mit ständiger Suche nach Neuem, Erobern, sich Behaupten und Durchsetzten zu tun haben. Diese haben Grenzen, nämlich Risiko ohne Rückbindungen einzugehen, Neues zu probieren, obwohl das Bewährte dabei zerstört wird, weil es schwer ist, dieses gleichzeitig im Focus der Aufmerksamkeit zu halten. Vielleicht entmystifiziert es Männer, weil ihre Grenzen verstehbar werden, aber es schafft auch mehr Wertschätzung für sie und hoffentlich für sich selbst als Frau.

Hier sehe ich die Chance für Frauen gerade im Bereich der Karriere und Führung: die Verbindung von Bewährtem und Neuem, von Bindung und Ziel orientiertem Verhalten und vor allem die Fähigkeit zur Selbstwahrnehmung und Selbststeuerung für sich und für das Unternehmen zu nutzten.

Willkommen auf meinem Blog!


Mit ein paar Worten stelle ich mich Ihnen gerne vor: Mein Name ist Barbara Hofmann-Huber. Meine Ausbildung ist Diplom-Pädagogin und Diplom-Psychologin. Ich bin Psychologische Psychotherapeutin mit den Schwerpunkten Tiefenpsychologie, analytischen Körperpsychotherapie und Verhaltenstherapie.

Mein Tätigkeitsspektrum ist weit gefasst: ich habe seit 1984 eine eigene Psychologische Praxis in Freiburg und arbeite im Coachingbüro Huber & Partner http://www.coachingbuero.de/ als Coach, Referentin und Trainerin und leite den Frauenschwerpunkt. Mit Einzelpersonen arbeite ich in den Bereichen Heilung, Persönlichkeitsentwicklung und Karrierebegleitung; mit Gruppen agiere ich durch Vorträge, Seminare und Prozessarbeit.

Lange bevor das Wort Gender nach Deutschland gekommen ist, habe ich mich für mein Frausein interessiert und dafür wie Entfaltungsmöglichkeit gelingen kann, wie der weibliche Blick sich mit Erfolg in Studium und Beruf verbinden lässt. "Für Frauen" war das Motto der Zeit und wurde meine Vision. An der Freien Universität Berlin wurde 1974 in einem interdisziplinären Seminar das erste Frauenstudium gestartet, mit mir als eine der Studentinnen. Seither habe ich mich persönlich und fachlich diesen Themen gewidmet.

Sowohl in der Theoriebildung als auch in der Suche nach der praktischen Umsetzung, habe ich mich fortlaufend weiter entwickelt und die gemachten Erfahrungen und mein Wissen in verschiedenen Formen weitergegeben. Sowohl Frauen als auch Männer haben mir immer wieder vermittelt, dass sie von meinen Erfahrungen Impulse für ihre eigene Entwicklung erhalten haben. Und so stellt dieser Blog die Möglichkeit dar, weitere Interessentinnen und Interessenten zu erreichen.

Mit diesem neuen Format möchte ich fortsetzten, was ich auf meiner Homepage
http://www.frauen-und-karriere.de/ begonnen habe: Information zu diesem Thema zur Verfügung zu stellen. Darüber hinaus bietet mir der Blog die Möglichkeit zum Austausch. Rückmeldung bekommen zu können und Anregung nicht nur zu geben, sondern auch selber zu erhalten, würde mich freuen.

Eine meiner Interessen ist Lesen. Das ständige Sichten von Büchern zu diesem Themenfeld, hat zu einer umfangreichen Liste von Rezensionen geführt, die noch immer auf der Homepage nachzulesen sind.

Neue Rezensionen werde ich ab sofort in diesem Blog veröffentlichen.

Ich freue mich auf einen regen Austausch

Ihre Barbara Hofmann-Huber