Donnerstag, 3. Oktober 2013

Rezension, Brené Brown: Verletzlichkeit macht stark


Rezension


Brené Brown
Verletzlichkeit macht stark


Wie wir unsere Schutzmechanismen
aufgeben und innerlich reich werden


Verlag Kailash, München 2013

ISBN:978-3-424-63079-4

 

Die Autorin ist eine Pionierin in der US-Amerikanischen Forschung über Verletzlichkeit, Scham und Authentizität. Das Werk gibt, anschaulich geschrieben, die Ergebnisse ihrer qualitativen Studien wieder. Es ist spannend zu lesen, voller alltäglicher Beispiele und erzeugt daher einen Erkenntnisgewinn. Dennoch ist es kein Ratgeber. Vielmehr schafft es die Autorin einen Einblick in die Schutzmechanismen zu geben, die wir im Laufe unseres Erwachsenwerdens entwickeln. Zugleich möchte sie uns motivieren und ermutigen, diese aufzulösen. Denn nur, indem wir uns für andere Menschen und dem Erleben von Nähe öffnen, können wir vollumfänglich fühlen, präsent sein, genießen. Nur so finden wir Zugang zu unserer Freude, Kraft und Kreativität. 

Was daran hindert, sich verletzlich zu zeigen, ist das Gefühl von Scham. Diese ist vor allem mit dem Empfinden von „ausgeschlossen sein“ und dem Gefühl, „es nicht wert zu sein, in einer Gemeinschaft dazu zu gehören“ verbunden. Damit geht der Druck einher, sich an die Normen der Gemeinschaft anzupassen. „So machen wir das hier“, nennt sie die Kultur (s.209), die sich als gesellschaftliche, familiäre, oder Unternehmenskultur zeigen kann. 

Es geht bei diesen Themen darum, den Mut zu entwickeln, zu dem zu stehen, wie wir sind. Nur so erleben wir das Gefühl von Zugehörigkeit, das sich nicht an unserer Leistung festmacht, sondern an dem eigenen Wesen. Achtsamkeit, Selbstmitgefühl und Empathie sind wichtige Werkzeuge für diesen Weg der Selbstkultivierung. Durch den Mut zur Offenheit uns selbst gegenüber finden wir die Fülle und den Reichtum, der in unserem Potential angelegt ist. Durch das Vertrauen zu anderen Menschen lassen wir sie an unserm Inneren teilhaben und schenken das tiefste an Begegnung, zu dem wir fähig sind.

Ich habe das Buch mit viel Interesse, jedoch auch Nachdenklichkeit gelesen. Wie gerne würde ich Ihnen den Mut vermitteln, wie es die Autorin tut. Ich kann es jedoch nur mit einem Hinweis auf die konkrete Lebensrealität in der sie Leben und Arbeiten. Gerade, weil es mir selbst ein großes Anliegen ist und ich es sehr genieße diese Verletzlichkeit in meinem Leben zu praktizieren, bin ich mir zugleich sehr bewusst: ich lebe in einer Gesellschaft, in der z.B. Blogger nicht in Gefahr sind, in der die freie Meinungsäußerung geschützt ist und in der auch mehr und mehr ein respektvoller Umgang innerhalb der beruflichen Welt gelebt wird. Ich weiß, dass es nicht nur die Arbeit an mir und den persönlichen Mut braucht, um Verletzlichkeit zu leben; es bedarf auch eines flexiblen und situationsadäquaten, selbstgesteuerten Selbstschutzes.

 

 

Rezension, Catharina Bruns: Work is not a Job


 
 
Rezension
                                                                                        
Catharina Bruns
Work is not a Job

Was Arbeit ist, entscheidest Du!
 

Verlag Campus, Frankfurt 2013

ISBN:978-3-593-39998-0

 
Die Autorin ist eine begeisterte Selbständige, die diese Erfahrungen anderen schmackhaft macht. Es ist ein kreatives und sinnliches Buch, mit viel Humor, abwechslungsreich geschrieben und illustriert. Es ist in ganz kurzen Merksätzen erfassbar, oder auf sehr nachvollziehbare Weise geschildert und begründet. Worum geht es ihr: um eine neu Form der Arbeit. Arbeit ist unser Leben, es ist das, womit wir die meiste unserer Zeit verbringen, also macht es Sinn darin lebendig zu sein, und vor allem: selbstbestimmt. Sie schreibt provokant und realitätsnah. Es ist kein theoretisches Werk, sondern eine Aufforderung zu beginnen, zu handeln, das eigene Leben selbst in die Hand zu nehmen. Wieso? Weil es Sinn macht für sich selbst und für andere. 

Sie differenziert zwischen einem Job, der Karriere und der Berufung. Dabei setzt sie Karriere sehr mit dem Aufstieg innerhalb einer großen beruflichen Organisation gleich. Ich fasse den Begriff weiter, und daher ist meiner Ansicht nach Karriere gerade dann erfolgreich, wenn sie durch die eigene Berufung (der Ambition) genährt ist. Ich bin ganz bei der Autorin, wenn sie schreibt: „Ich bin, was ich tue“. Ihr geht es um die Entwicklung von „Entrepreneurship“, Selbständiges Unternehmertum, das eine unternehmerische Denk- und Handlungsweise beinhaltet, die die Umsetzung eigenen Ideen ermöglicht. Außer guter Ideen bedarf es dafür hinaus: Selbstverantwortung, Selbstorganisation, Selbststeuerung und nicht zuletzt Selbstvertrauen. Der innere Antrieb dafür ist es: zu tun, was man gerne tut. „Erfolgreich ist, wer an Dingen arbeitet, die ihn tief bewegen. (S.71)“. Ihre zentrale Botschaft ist daher: „Liebe, was Du tust!“ 

Die Autorin wird konkret: Sie schreibt über Geld, über den Blick auf Kunden, und sie macht Mut für den ersten kleinen Schritt. Aus ihm ergibt sich der nächste kleine Schritt: handeln, anstatt zu sehr nach dem Idealen zu suchen ist ihr Motto. Mit leidenschaftlichem Interesse an sich selbst, der Welt und der Offenheit und Begeisterungsfähigkeit sich auf den Weg und an die Arbeit zu machen, dazu motiviert die Autorin. Ihr Anliegen ist es: Arbeit zu leben, die dadurch Flow ermöglicht, in er man aufgeht und sie um ihre selbst willen immer wieder gerne tut. 

Gerade für junge Menschen, die sich für eine Anpassung in einer sie nicht erfüllenden Arbeit verbiegen, ist das Buch ein Balsam und ein Mutmacher, um sich auf den eigenen beruflichen Weg zu begeben und Selbstverantwortung für ihr (Arbeits-)Leben zu übernehmen. Das beinhaltet: Falsche Sicherheit loszulassen und stattdessen die Sicherheit in der eigenen Herzensbotschaft zu suchen und sich dem zuzuwenden, was wirklich Spaß macht und dadurch auch die Kraft gibt, die Probleme, die bei jeder Arbeit auftauchen, zu meistern. Sie ermutigt, die eigene persönliche Begabung zu suchen und sich in einen unaufhörlichen Prozess „der Kultivierung und Vervollkommnung (S.145)“ zu begeben. Dies ermöglicht eine Arbeit, die authentisch mit der eigenen Persönlichkeit ist. Zugleich ist sie für andere von Wert: „Der Wert unserer Arbeit besteht in dem, was wir bereit sind, der Welt anzubieten. (S.151)“ 

Wenn ich auf meinen eigenen Erfolgsweg zurückblicke, der 25 Jahre früher als der der Autorin begonnen hat, so kann ich Ihre Thesen und Erfahrungen nur aus vollem Herzen bestätigen: ich habe meinem Herzen vertraut, ich habe das zu meinem Beruf gemacht, was ich noch heute von Herzen gerne tue, ich bilde und entwickle mich unaufhörlich weiter, weil es mir Spaß macht und ich habe mir letztlich einen Beruf geschaffen, den es in mir als Vision gab, doch damals noch nicht in der realen Welt. 

Spaß beim Lesen werden Sie sicherlich haben - Die Handlungskraft und den Mut ihre Begabung zu leben wahrscheinlich ebenso!