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Donnerstag, 3. Oktober 2013

Rezension, Catharina Bruns: Work is not a Job


 
 
Rezension
                                                                                        
Catharina Bruns
Work is not a Job

Was Arbeit ist, entscheidest Du!
 

Verlag Campus, Frankfurt 2013

ISBN:978-3-593-39998-0

 
Die Autorin ist eine begeisterte Selbständige, die diese Erfahrungen anderen schmackhaft macht. Es ist ein kreatives und sinnliches Buch, mit viel Humor, abwechslungsreich geschrieben und illustriert. Es ist in ganz kurzen Merksätzen erfassbar, oder auf sehr nachvollziehbare Weise geschildert und begründet. Worum geht es ihr: um eine neu Form der Arbeit. Arbeit ist unser Leben, es ist das, womit wir die meiste unserer Zeit verbringen, also macht es Sinn darin lebendig zu sein, und vor allem: selbstbestimmt. Sie schreibt provokant und realitätsnah. Es ist kein theoretisches Werk, sondern eine Aufforderung zu beginnen, zu handeln, das eigene Leben selbst in die Hand zu nehmen. Wieso? Weil es Sinn macht für sich selbst und für andere. 

Sie differenziert zwischen einem Job, der Karriere und der Berufung. Dabei setzt sie Karriere sehr mit dem Aufstieg innerhalb einer großen beruflichen Organisation gleich. Ich fasse den Begriff weiter, und daher ist meiner Ansicht nach Karriere gerade dann erfolgreich, wenn sie durch die eigene Berufung (der Ambition) genährt ist. Ich bin ganz bei der Autorin, wenn sie schreibt: „Ich bin, was ich tue“. Ihr geht es um die Entwicklung von „Entrepreneurship“, Selbständiges Unternehmertum, das eine unternehmerische Denk- und Handlungsweise beinhaltet, die die Umsetzung eigenen Ideen ermöglicht. Außer guter Ideen bedarf es dafür hinaus: Selbstverantwortung, Selbstorganisation, Selbststeuerung und nicht zuletzt Selbstvertrauen. Der innere Antrieb dafür ist es: zu tun, was man gerne tut. „Erfolgreich ist, wer an Dingen arbeitet, die ihn tief bewegen. (S.71)“. Ihre zentrale Botschaft ist daher: „Liebe, was Du tust!“ 

Die Autorin wird konkret: Sie schreibt über Geld, über den Blick auf Kunden, und sie macht Mut für den ersten kleinen Schritt. Aus ihm ergibt sich der nächste kleine Schritt: handeln, anstatt zu sehr nach dem Idealen zu suchen ist ihr Motto. Mit leidenschaftlichem Interesse an sich selbst, der Welt und der Offenheit und Begeisterungsfähigkeit sich auf den Weg und an die Arbeit zu machen, dazu motiviert die Autorin. Ihr Anliegen ist es: Arbeit zu leben, die dadurch Flow ermöglicht, in er man aufgeht und sie um ihre selbst willen immer wieder gerne tut. 

Gerade für junge Menschen, die sich für eine Anpassung in einer sie nicht erfüllenden Arbeit verbiegen, ist das Buch ein Balsam und ein Mutmacher, um sich auf den eigenen beruflichen Weg zu begeben und Selbstverantwortung für ihr (Arbeits-)Leben zu übernehmen. Das beinhaltet: Falsche Sicherheit loszulassen und stattdessen die Sicherheit in der eigenen Herzensbotschaft zu suchen und sich dem zuzuwenden, was wirklich Spaß macht und dadurch auch die Kraft gibt, die Probleme, die bei jeder Arbeit auftauchen, zu meistern. Sie ermutigt, die eigene persönliche Begabung zu suchen und sich in einen unaufhörlichen Prozess „der Kultivierung und Vervollkommnung (S.145)“ zu begeben. Dies ermöglicht eine Arbeit, die authentisch mit der eigenen Persönlichkeit ist. Zugleich ist sie für andere von Wert: „Der Wert unserer Arbeit besteht in dem, was wir bereit sind, der Welt anzubieten. (S.151)“ 

Wenn ich auf meinen eigenen Erfolgsweg zurückblicke, der 25 Jahre früher als der der Autorin begonnen hat, so kann ich Ihre Thesen und Erfahrungen nur aus vollem Herzen bestätigen: ich habe meinem Herzen vertraut, ich habe das zu meinem Beruf gemacht, was ich noch heute von Herzen gerne tue, ich bilde und entwickle mich unaufhörlich weiter, weil es mir Spaß macht und ich habe mir letztlich einen Beruf geschaffen, den es in mir als Vision gab, doch damals noch nicht in der realen Welt. 

Spaß beim Lesen werden Sie sicherlich haben - Die Handlungskraft und den Mut ihre Begabung zu leben wahrscheinlich ebenso!

Samstag, 27. April 2013

Rezension, Dorothea Assig und Dorothea Echter: Ambition - Wie große Karrieren gelingen


Rezension


 
Dorothea Assig und Dorothea Echter

Ambition
Wie große Karrieren gelingen

Erstausgabe März 2012

Campus Verlag ISBN 978-3-359-39585-2
 
 
 
Zwei erfahrene Beraterinnen haben ihr professionelles Wissen in diesem Buch zusammengeführt. Sie entwickelten ein Modell, das die Komplexität ihres Wirkens in eine scheinbar einfache Form bringt. Es ist ein dichtes Buch und zugleich sehr anschaulich und nachvollziehbar geschrieben. Von Frauen, die ihre eigene Ambition leben wollen, wird es als unterstützend erlebt, von Profis im selben Kompetenzfeld, wie mir, mit Interesse und Respekt zur Kenntnis genommen.
 

Ambition ist ein energetisches Zentrum, eine immense innere Kraft, eine Quelle des Antriebs. Es ist das, was einen Menschen motiviert, begeistert, was sich schon früh zeigen kann, als ein Bedürfnis nach Selbstausdruck, etwas das zu tun keine Zeitgrenzen kennt. Es ist der innere Motor. Es ist das, was ein Mensch geben will, wofür sie oder er „brennt“. Die Karriere ist das Ergebnis. Allein dies erklären die Autorinnen so  nachvollziehbar und das macht das Buch bereits lesenswert. Denn anders als viele Bücher zu Coaching und Selbstmanagement, geht es den Autorinnen nicht um kleine äußere Rezepte. Sie räumen mit vielen Irrtümern zu Karrierewegen auf.  

Durch die Frage nach der Ambition, erkennen sie den inneren Antrieb in der Person. Sie Fragen nach der Quelle, aus der die Energie sich immer wieder speist, die eine Voraussetzung für ein Gelingen einer großen Karriere ist. Die Quelle, die beharrliches Üben ermöglicht, weil es Sinn macht, gefühlten, erlebten Sinn, der viel Energie freisetzt, den kein Anspruch an sich und kein Druck von außen in der Konstanz erzeugen kann. 

Ihre Arbeit als Beraterinnen beginnt damit, Menschen in Kontakt mit dieser Quelle zu bringen, oder sie darin zu bestärken ihr zu vertrauen. Denn so eine starke innere, antreibende Kraft macht auch Angst, schürt Zweifel: „Bilde ich mir das alles ein?“ Trotz des Zweifels, was die eigene Begabung anbetrifft weiter zu üben, ist ein erster Hinderungsschritt, der überwunden werden will. Zentrale Widerstände und Hemmnisse für Erfolg, verorten die Autorinnen in der Person. Denn Menschen haben nicht nur die Sehnsucht erfolgreich zu sein, sondern eine ebensolche Angst davor. Daher ist ein weiterer Schritt, sich selbst für den Erfolg zu öffnen. Der eigenen Gabe Aufmerksamkeit zu schenken, sie dadurch erfassen, benennen, sich darin üben zu können, das sind weitere Schritte. Doch es gibt immer wieder Krisen, die zu Selbstzweifeln führen. Deren Sinn als Lernfeld zu erkennen und zu nutzten, das bedarf einer kompetenten Begleitung.  

Sich eine angemessene Bühne für das eigenen Können zu suchen, sich in ein Umfeld zu begeben, das die Kompetenz sieht, achtet und zugleich herausfordert, sind weitere Stationen. Diese müssen Maßgeschneidert für die Ambition gesucht und gestaltet werden. Denn so individuell, wie die eigene, einzigartige Begabung ist, so sehr ist der Weg der einer Pionierin, eines Pioniers. Der Weg der Karriere ist nicht vorgezeichnet, er muss gesucht werden. 

Die Autorinnen differenzieren weiter die Dimensionen: Karriere aufbauen, stabileren und die Vollendung. Auch in diesen Dimensionen wirken die vier Ebenen ineinander: die Stabilisierung der Psyche, Positive Resonanz erzeugen, die eigene Bühne schaffen und das Können (weiter) zu entwickeln. Es ist ein komplexer Prozess, der immer wieder eine neue Ausrichtung bedarf, jedoch nicht linear verläuft. Es ist ein Wachstums- und Entwicklungsprozess, der sich entfaltenden persönlichen Begabung und Reifung einer Person, in einer sich wandelnden Außenwelt. 

Natürlich sehen wir im Alltag immer wieder erfolgreiche Menschen, die öffentlich sichtbar wurden, auch ohne innere Vorbereitung. Doch es gibt viele, deren Karriere stockt, die sich nicht heraus wagen und solche, die sich damit überfordern. Gerade dort wo wir Karriere sehen können, vor allem im Showbusiness oder in der Politik, gibt es immer wieder Menschen, die daran scheitern, bzw. deren Scheitern wir sehen. Gründe sind, dass sie den Erfolg nicht halten können, weil sie zu einsam darin sind, weil die Spannung zwischen der „normalen Alltagsperson“ und der „erfolgreichen öffentlichen Person“ ein unüberbrückbares Spannungsfeld bilden. Die Folgen sehen wir an einem „abheben“, an ihren Suchtproblemen oder gar Suiziden.
 
Erfolg braucht eine solide innere psychische Basis. Es ist ein Fundament, das Schritt für Schritt entwickelt wird, um die einzigartige Begabung in eine erfolgreiche Karriere zu transformieren, die die Person halten und genießen kann. 

Die Autorinnen beleuchten auf 300 Seiten, die vielfältigen Aspekte ihres Modells gründlich. Deutlich wird: es geht bei der erfolgreichen Karriere sowohl um Handeln, als auch um Reifen – denn je tiefer die Wurzeln in die eigene Persönlichkeit hineinreichen, umso intensiver braucht es Zeit bis die einzelnen Themen erlebt, erfahren, entwickelt sind. Dieses Buch ist ein sehr Besonderes, weil es tiefgründig und zugleich handlungsleitend ist. Vor allem aber, weil es Komplexität nicht vereinfacht und trivialisiert, sondern Mut macht, sich dem Leben zu stellen und die eigene Ambition schrittweise zur Entfaltung zu bringen.

 

Sonntag, 4. November 2012

Rezension: Stefan Bollmann - Frauen, die denken, sind gefährlich und stark


Rezension
 





Stefan Bollmann 

Frauen, die denken, sind gefährlich und stark


 
Elisabeth Sandmann Verlag
ISBN 978-3-938045-70-1

  

Frauen, die denken, sind gefährlich und stark. Wie ein roter Faden zieht sich das Thema durch diesen wunderbaren Bildband. Denn diese Buch ist sehr vielschichtig: Fotos und Reportagen bilden ein sowohl informatives, wie ästhetische Buch, in dem für den Elisabeth Sandmann Verlag typischen Din-A-4 Format. 

Beschrieben sind 26 Portraits von Frauen, die einen ganz eigenen Weg gefunden habe Frau zu sein und dadurch auf einzigartige Weise zu wirken. Fünf Themenfelder bilden ein interessante Gliederung: Das erste handelt von Vordenkerinnen, wie Bertha von Suttner, Simone de Beauvoir, Hannah Arendt. Das zweite von mutigen Frauen in der Wissenschaft, wie Marie Curie, Lise Meitner, Jane Goodall. Das dritte schilderte das Leben und durchaus dafür sterben der Kämpferinnen für die Rechter der Frauen, wie Olympe de Gouges, Simone Veil, Alice Schwarzer. Das vierte handelt von Rebellischen Zeitzeuginnen, wie Oriana Fallaci, Susan Sonntag Anna Politkowskaja und das fünfte von dem Aufstieg zur Macht, in denen Indira Gandhi, Margaret Thatcher, Angela Merkel und Aung San Suu Kyi portraitiert werden. 

Einzigartige Fotos schaffen eine Nähe zu den geschilderten Frauen und können die Atmosphäre ihres Lebens einfangen.

Die Texte sind kurz, prägnant. Sie lassen auch bekannte Persönlichkeiten in einem Licht erscheinen, das die Frau hinter der Funktion, für die sie steht, hervorschimmern lässt. Aus der Fülle einer Biographie ist es Stefan Bollmann auf exzellente Weise gelungen die Essenz dessen zu schildern, was die jeweilige Frau angetrieben und zu einer starken Frau machte. Deren Einzigartigkeit wird deutlich und ebenso die Gefährlichkeit, jedoch nur für diejenigen, die selbstbestimmte Frauen und deren positive Gestaltungskraft noch immer für gefährlich halten. So eignet sich das Buch um neue Perspektiven auf bekannte Frauen zu werfe und ebenso, um sich schnell mit den Persönlichkeiten bekannt zu machen, und mögliche Bildungslücken zu schließen. 

Dieses Buch ist ein ideales Weihnachtsgeschenk, für Ihre beste Freundin, was sie durchaus selbst sein können.
Viel Freude damit!

Montag, 24. Mai 2010

Rezension: Miriam Meckel, Brief an mein Leben - Erfahrungen mit einem Burnout





Rezension


Miriam Meckel

Brief an mein Leben

Erfahrungen mit einem Burnout







Rowohlt Hardcover, 224 S.
12.03.2010 18,95 €
ISBN 978-3-498-04516-6

Miriam Meckel ist erfolgreich. Sie ist Professorin für Kommunikationswissenschaften, eine Karrierefrau, eine öffentliche Person. Als sie das Buch schreibt ist, sie 42 Jahre alt. Sie schreibt es in einer Klinik, in der sie von einem Burnout gesundet.

Wäre sie nicht so bekannt, das Buch hätte wohl nicht diese Resonanz gefunden. Denn das Thema selbst ist noch immer unter Erfolgreichen etwas, das eher verheimlicht wird. Allein schon deswegen sei ihr für den Mut gedankt, ihre persönlichen Erfahrungen mit uns Leserinnen zu teilen. Sie gibt Einblicke, wie sie in den völligen Erschöpfungszustand hineingekommen ist und zeigt einen Teil des Weges, den sie zurück zu sich selbst begeht.

Völlige körperliche und psychische Erschöpfung, ausgebrannt sein, das umschreibt einen Erlebenszustand, in dem kein Funktionieren mehr möglich ist. Es ist der energetische Bankrott. Der Körper und die Seele können nicht mehr. Sie selbst hatte das als Versagen erlebt. Ein erster Schritt zu Heilung ist daher der, so schmerzlich und schwer es für sie ist, zu erkennen: auch sie hat Grenzen. Gerade weil ihr all das Viele, was sie beruflich und privat erleben wollte so viel Freude bereitete, war es ihr so schwer, ihre eigenen Grenzen zu achten. Sie hat sie gemerkt, aber immer wieder mit viel Willenskraft weiter gemacht. Burnout hat man sich immer hart erarbeitet! Selbstdisziplin und die Freude am Erfolg sind zentrale Zutaten; und nicht zuletzt die gesellschaftliche Anerkennung genau dieser Art und Weise mit sich umzugehen "Geht nicht, gibst´s nicht!"

Frau Meckel kann sehr schön schreiben, anregend, anschaulich, wissenschaftlich unterfüttert, in einigen Passagen literarisch. Es ist kein unreflektierter Selbsterfahrungsbericht, sondern eine tiefgründige Auseinandersetzung mit sich selbst, exemplarisch, die zu lesen lohnend ist.

Sie setzt sich mit Themen auseinander, die sie an sich schätzte und die zur Gefahr geworden waren: Multitasking - Mehreres schnell gleichzeitig machen und denken, viel Verschiedenes in verdichteter Zeit umsetzten. Sich ständig bewegen, geistig und körperlich (reisen). Sie wusste, dass das Gehirn nicht alles gleichzeitig kann, aber welche Folgen der immer schnellere Wechsel hatte, wie sich mentale Erschöpfung auswirkt, das zu erfahren, war bitter.

Frau Meckel hat eine steile Karriere hingelegt, die jüngste Professorin, sehr sichtbar, vorbildlich. Sie reflektiert das in dem Kapitel "Pflegeleicht". Sie hat ihren eigenen Erwartungen entsprochen und ihre Ziele hat sie sich hoch gesetzt. Sie hat es aber auch anderen immer wieder leicht gemacht mit ihr umzugehen. Den Preis reflektierte sie zu spät.

Die Zeit für sich selbst ist dabei zu kurz gekommen. Für die Seiten, die nicht mit Arbeit und Öffentlichkeit zu tun hatten. Die Seiten, die mit Gefühlen und mit Bindung umschrieben sind. Gefühle und Bindung zu anderen und zu sich selbst. Sie nimmt sich Zeit, die Trauer um den Verlust geliebter Menschen nochmal für sich in der Zeit zu durchleben, die sie dafür braucht und auch diesen geschützten Raum, fernab von den Anforderungen der Welt an sie und ihr gerne-in-der-Welt agieren, um sich den inneren Anteilen stellen.

Besonders berührt hat mich, wie sie eine Übung schildert, während der sie die Beziehung zu sich neu sucht und findet. In der ständigen Außenorientierung und der realen Schnelligkeit ihres Lebens, und schließlich noch verstärkt durch den Erschöpfungszustand, hatte sie ihren inneren Halt verloren. Die Bindung zu sich und die zu nahen, persönlichen Menschen entdeckte sie in einer gefühlten Weise. "Ich brauche Wurzeln (74)".

Es ist ein sehr persönlicher Ordnungs- und Verarbeitnsprozeß an dem Frau Meckel die Leser teilhaben lässt und doch enthält er nichts, was zu intim wäre. Nichts, was das Empfinden hinterlässt, das in anderen Berichten über das Buch durchschimmerte: sie macht auch daraus noch ein Projekt. Es ist ein sehr konstruktives Buch. Es lässt am Lösungsweg teilhaben.

Ich haben das Buch als ein Geschenk an ihre Generation gelesen: nimm Dich selbst früher wichtig!

Sollten Sie mehr zur Entstehung von Burnout erfahren wollen, so empfehle ich Ihnen zur Ergänzung noch das Buch von dem "Entdecker" des Burnouts dem Arzt und Psychologen Herbert Freudenberger: Burn-out bei Frauen: Über das Gefühl des Ausgebranntseins.

Samstag, 15. Mai 2010

Rezension: Claire Shipman und Katty Kay, Womenomics, Bestimmen Sie Ihre eigenen Erfolgsregeln


Gibt es eine Unterschiedlichkeit mit der Frauen und Männer an das Thema Arbeit und Karriere herangehen? Die Autorinnen meinen Ja durchaus - lesen Sie selbst!

Rezension: Claire Shipman und Katty Kay
Womenomics, Bestimmen Sie ihre eigenen Erfolgsregeln
Eichborn 3-2010

Welch ein Wort: Womenomics – ach, es geht um Frauen und um Ökonomie!


Die Autorinnen kennen das Buch von Gerald Hüther „Männer“ nicht, es ist ja parallel erschienen, doch das Wissen auf dem das Buch von Gerald Hüther basiert, ist schon länger bekannt, sowohl in Deutschland als auch in den USA. Doch es ist ein irritierendes Wissen: viele Frauen haben einen anderen Bezug zu ihrer Karriere als Männer. Für Männer ist der Beruf das Thema Nummer eins, das erst eine Familiengründung ermöglicht. Für Frauen gibt es zwei Prioritäten: Beruf und Familie und damit ein Dilemma.

Aus der durchaus berechtigten Sorge heraus, dass die Biologie gegen Frauen benutzt wird, haben auch Frauen selbst lang gezögert, diese Themen öffentlich zu machen. Auch den Autorinnen ging es so. Beide sind erfolgreiche Journalistinnen und Mütter. Ihr Anliegen ist es, beide Verantwortungsbereiche so zu verbinden, dass auch für sie selbst noch ein konstruktives Lebensgefühl besteht, nicht nur eine chronische Überforderung. Sie suchen einen Lösungsweg für ein Dilemma, mit dem sehr viele Frauen immer wieder zu tun haben und zunehmend auch mehr Männer: Karriere und Familie in einer konstruktiven, sich ergänzenden Form zu verbinden. Ihr Lösung ist eine neue Haltung: „Ja, ich will arbeiten und ich will kreativ, effizient und erfolgreich arbeiten. Aber ich will es zu meinen Bedingungen tun: mit flexiblen Arbeitszeiten, fairer Bezahlung und der Möglichkeit, eine vernünftige Balance zwischen Arbeit und Privatleben zu finden.“

Frauen haben sich und der Gesellschaft gezeigt, dass sie genauso leistungsfähig wie Männer sind. „Wir“ sind Bundeskanzlerin“ (Deutschland), Außenministerin (USA), um nur zwei Beispiele zu nennen. Doch zugleich ist immer mehr sichtbar, dass für viele, gerade best ausgebildete Frauen die Form der beruflichen Tätigkeit, der 16 Stundentag z.B. nicht wirklich attraktiv ist. Was die Autorinnen schildern, kann ich aus meiner Sicht auch für Deutschland nur bestätigen: Frauen gehen mittlerweile auf Karriereleitern nicht weiter nach oben, weil dort die Form der Arbeit unattraktiv für sie ist, nicht weil sie davon abgehalten werden.

Wieso ist das so? Das Interesse an Erfolg ist bei vielen Frauen ein wenig anders gelagert. Es gibt sehr maskulin ausgerichtete Frauen, ca. 20%, denen das männliche Erfolgsmodell entspricht und die sich darin aufgehoben fühlen und die auch diesen Weg der Priorität im Beruf gehen. Sehr feminin betonte Frauen machen die Karriere in der Familie, ca. 20%. Doch eine große Gruppe, die Mehrheit sucht einen „Weg dazwischen“, ein sowohl Erfolg im Beruf, als auch ein erfülltes Privatleben, eine Familie. Dazu gehört vor allem die Flexibilität in der Arbeitszeit um die beiden Bereich besser verbinden zu können. Dazu gehört auch eine beziehungsorientierte Komponente. Das Wissen darum, dass effizient zu arbeiten und sich wohlfühlen zusammen gehören können. Die Mitarbeiterführung von Frauen bringt schon heute sichtbare Steigerungen der Erträge. Diese besonderen Qualitäten wollen Frauen nicht nur gerne einbringen, sie wollen dafür auch geachtet, befördert und bezahlt werden.

Die Autorinnen haben ein leicht lesbares und gut recherchiertes Buch geschrieben. Beide sind erfolgreiche Profis und zugleich haben sie ihre eigenen persönlichen Erfahrungen reflektiert und einfließen lassen.

Es ist nicht nur eine Bestandsaufnahme und eine Faktensammlung, die das Buch so lesenwert machen. Außer dem Theorieblock, der spannend ist, ist es ein Ratgeber: es gibt viele Anregungen, wie das nun genau gehen kann und macht Mut, gleich das eine oder andere praktisch in den Arbeitsalltag umzusetzen. Denn die Zeit ist reif für Womenomics!

Gerade dadurch, dass es mittlerweile so viele sehr gut ausgebildete und motivierte Frauen gibt, besteht nach dem Gesetz der „Kritischen Masse“ auch die Möglichkeit, dass sich Frauen nicht nur an die Arbeitsstrukturen, die Männer für sich entwickelt haben, anpassen, sondern diese verändern und beeinflussen können. Wir leben in einer historisch erstmaligen Zeit, in der Frauen sich die Arbeitswelt nach ihren eigenen Wünschen gestalten können. Und sie gestalten sie damit auch für viele Männer, die nach neuen Lösungen in der Work-Life-Balance suchen. Konkrete erste Schritte sind gemacht, Frauen sind erfolgreich in ihrem beruflichen Leben, doch der eigentlich innovative Weg liegt noch vor uns: viel Spaß beim Lesen und dem aktiven Umsetzten!