Rezension
Kristin Neff
Selbstmitgefühl
Selbstmitgefühl
Wie wir uns mit unseren Schwächen
versöhnen und uns
selbst der beste Freund werden
Verlag Kailash, München 2012
ISBN:978-3-424-63055-8
Das eigene Potential zu realisieren und erfolgreich
sein zu wollen ist eine starke Motivation. Diesen Weg in der aktiven Auseinandersetzung
mit den Erfordernissen beruflichen Feldes zu gehen, schafft Erfolge. Doch
dieser Weg ist nicht so eindimensional, wie wir vielfach glauben, oder uns
glauben gemacht wird: „geht nicht gibt’s nicht!“ Es gibt immer wieder
Hindernisse und Probleme. Diese liegen nicht nur in der eigenen
Unzulänglichkeit, sondern auch in äußeren Gegebenheiten. Diese nicht zu sehen,
verortet die Ursachen für Misserfolg einseitig in die eigene Person und
Misserfolg wird damit Teil des eigenen Versagens oder der individuellen
Unzulänglichkeit.
Wie sehr gerade bei Frauen der Karriereweg von
strukturellen Bedingungen in Unternehmen abhängt ist nicht Thema, doch wie
diese individuell verarbeitet werden, dazu kann das Buch der amerikanischen
Psychologie Professorin Kristin Neff Erhellendes und Nützliches beitragen.
Fehler zu machen ist menschlich, daraus zu lernen ist die Aufgabe
um langfristig erfolgreich zu sein. Um das zu können braucht es eine liebevolle
Beobachtung dessen, was geschah. Lag es wirklich in der eigenen Macht das zu
ändern? Wenn nicht, gilt es eigene Einflussfaktoren, die gesteuert werden
können herauszufinden. Was kann ich in mir verändern? Was sind Stellschrauben
in der sozialen Umgebung an denen angesetzt werden kann?
Frauen fällt das vielfach schwer. Sie verlangen von
sich bereits Können, wo es um den Mut des Ausprobieren von Neuem geht. Wenn Sie noch nie
geführt haben, wie wollen Sie wissen, ob Sie eine gute Führungskraft sind? Sie
können sich dieser neuen Erfahrung nur Aussetzen und aus den dort gemachten
Erfahrungen lernen. Lernen gelingt am besten durch eine liebevolle, achtsame
Selbstwahrnehmung und eine nicht wertende Beobachtung der Realität. Nicht „wie
sie sein sollte“, vor allem nicht „wie Sie selbst sein sollten“ ist das Thema,
sondern wahrnehmen, was ist. Nach diesem ersten Schritt der nichtwertenden Wahrnehmung,
entdecken Sie Handlungs- und Veränderungsmöglichkeiten.
Gerade der sehr hohe Anspruch von Frauen an sich
selbst ist dabei „ein zweischneidiges Schwert“. Einerseits treibt der eigene
hohe Anspruch zu Höchstleistungen. Andererseits verhindert er so locker bleiben zu können, dass Fehler
sein dürfen. Je mehr der eigene Anspruch die Form des Perfektionismus annimmt, umso
schwerer ist es, sich spielerisch Neuem zu öffnen und damit noch unerkannte
Potentiale zu entdecken, zu erschließen und zu erproben. Um die eigene Ambition
voll entfalten zu können, bedarf es immer wieder den Mut sich auf eigene
Facetten einzulassen, die noch nicht ausgereift und integriert sind, die eben
nicht den perfekten Anspruch erfüllen. Je mehr das Selbstwertgefühl von einem Bild
der Perfektion geprägt ist, umso mehr verhindert es die ersehnte
Vervollkommnung. Dieses Paradoxon können Sie durch die Entwicklung von Selbstmitgefühl
auflösen. Es geht dabei um die Stärkung der eigenen Wurzelkraft,
der Fähigkeit innere seelisch-körperliche
Kraftquellen zu erschließen.
Was genau ist Selbstmitgefühl?
Der amerikanischen Psychologin und Wissenschaftlerin
gelingt es in einem leicht verständlich geschrieben Buch dieses komplexe Thema
zu behandeln. Die Quelle des Wissens liegt in der Integration von buddhistischen
Weisheiten in die moderne Psychologie, vor allem in den Umgang mit Stress und
der Entwicklung von Selbststeuerung und Resilienz.
Die drei Bestandteile des Selbstmitgefühls (Selfcompassion)
schildert Neff ausführlich in drei Kapiteln:
- Selbstfreundlichkeit (Selffriendliness). Mitgefühl und Freundlichkeit
anderen Menschen gegenüber gehört zur sozialen Kompetenz, die vielen Frauen
leicht fallen. Doch leider ist es nicht Selbstverständlich, sich so liebevoll
zu behandeln, wie andere. Wieso das so ist, erklärt Neff sehr anschaulich.
-
Verbindende Humanität (Connecting humanity). Hier ist das Wissen um das Leiden, das zum
Menschsein dazu gehört, zentral. Es geht dabei nicht darum Opfer zu sein,
sondern in diesem Wissen sich mit anderen Menschen verbunden zu fühlen und daraus
die eigene Selbstwirksamkeit erweitern zu können. Ausführlich beschäftig sie sich
mit dem Thema Perfektionismus (s.96 ff)
-
Achtsamkeit (Mindfullness). Wie geht es dieses Wissen und diese
Erkenntnis in das gelebte Leben umzusetzen? Dies erklärt sie umfassend und
anwendungsnah.
Wollen Sie darüber hinaus:
-
wissen was der Unterschied von Selbstwertgefühl und
Selbstwertschätzung ist?
-
durch einen Test herausfinden, wie intensiv ihr
Selbstmitgefühl ausgeprägt ist – sie finden ihn am Ende des Buches
-
fundierte Erkenntnisse über Mitgefühl,
Selbstmitgefühl und die Verbindung zu beruflichem und persönlichem Erfolg
erhalten? In viele wissenschaftliche Studien finden sie vielfältige Belege und umfangreiche
Literaturangaben.
-
Selbstmitgefühl ausprobieren? Sie erhalten durch
vielfältige und gut beschrieben Übungen die Möglichkeit auszuprobieren, ob die
Praxis des Selbstmitgefühls für Sie eine Bestärkung darstellen kann. Doch auch
hier gilt, was bei Sport und allen Übungen mit Körperwahrnehmung zutrifft:
Übung macht die Meisterin.
Viel Freude beim Lesen und Erfahren!

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